
Bei Dock 11 sind wir stolz auf unsere neue Webseite samt modernem Corporate Design. Designer Markus Jungen von Jungen & Thönes erläutert euch im Interview die konzeptionellen und gestalterischen Entscheidungen des Relaunches.
TL;DR
Dock 11 relauncht seine Plattform mit neuem Corporate Design und besserer Struktur. Im Interview spricht ihr Designer Markus Jungen von Jungen & Thönes über den bewussten Bruch mit institutioneller Optik und ein Design, das Kreativität sichtbar macht.
Dock 11: Dock 11 hat seine Website grundlegend überarbeitet. Was war dein erster Gedanke, als du das Briefing gelesen hast – und wo hast du den größten gestalterischen Hebel gesehen?

Markus: Im Briefing ging es ja nicht ausschließlich um die Website, sondern im ersten Schritt auch um ein neues Corporate Design, in das die Website eingebettet werden sollte. Zunächst mal haben wir diesen Auftrag als Spielwiese betrachtet, auf der wir uns austoben können. Eine spielerische Herangehensweise ist meiner Auffassung nach Voraussetzung für den gestalterischen Prozess und öffnet den Weg zu neuen Ideen. Auf diese Art und Weise sind viele unterschiedliche Ansätze entstanden, die sich in den verschiedenen Phasen behaupten mussten. So hat sich in engem Austausch mit dem Dock 11-Team das neue Design herauskristallisiert.
Eine spielerische Herangehensweise ist meiner Auffassung nach Voraussetzung für den gestalterischen Prozess.
Wenn die Chance besteht, mit einem Design ganz bei Null zu starten, versuche ich mich von allen Einschränkungen frei zu machen, damit auch etwas wirklich Neues entstehen kann. Für uns war klar, dass wir mit dem neuen Erscheinungsbild auch einen für Dock 11 neuen und mutigen Weg gehen wollen und da ist am Anfang nicht immer klar, wo die Reise hin geht. So ist völlig ungeplant auch eine Reihe von handgezeichneten Stop Motion Animationen entstanden, die nun ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzepts geworden sind.
Dock 11: Du arbeitest regelmäßig an Corporate-Design- und Webprojekten und wurdest für deine Arbeiten bereits mehrfach ausgezeichnet. In welchen Kontexten bewegst du dich normalerweise – und welche gestalterischen Maßstäbe bringst du in ein Projekt wie Dock 11 ein?
Markus: In den meisten meiner Projekte steckt viel Persönliches drin und ich muss von einer Idee überzeugt sein, damit sie am Ende auch funktionieren kann. Bei den Projekten, für die wir ausgezeichnet wurden, gab es sehr große gestalterische Freiheit und ich konnte auf viele Ideen zurückgreifen, die ich schon lange im Kopf hatte, für die es aber es noch keine Gelegenheit gab, sie umzusetzen. Wie viele meiner Generation bin ich mit der MTV-Ästhetik und Gestaltern wie Michel Gondry groß geworden. Es ist für mich mittlerweile selbstverständlich, mich bei meinen Designs auch auf den Stil und die Dinge zu beziehen, die mich als Kind oder Jugendlicher geprägt haben. Früher war das oft nicht so und ich habe mich zu sehr verbogen und mir ausschließlich vorgestellt, was dem Kunden wohl gefallen könnte. Mir fällt es zwar oft nicht leicht, den eigenen Stil zu beurteilen, aber es hilft sehr, wenn man Menschen um sich hat, auf deren Meinung man sich verlassen kann.
Dock 11: Dock 11 ist öffentlich finanziert, versteht sich aber als Plattform für die Kreativwirtschaft und nicht als klassische Institution. Wie übersetzt man diesen Anspruch in eine visuelle Identität, die professionell wirkt, ohne institutionell zu erscheinen?
Markus: Zentral bei dieser Frage ist die Zielgruppe, um die es geht und weniger die Organisation dahinter. Gerade öffentlich finanzierte Projekte sollten mutig sein dürfen und sich gestalterisch nicht hinter der Theorie und dem Verwaltungsapparat verstecken müssen. Die Arbeit, die bei Initiativen wie Dock 11 geleistet wird, ist großartig und so muss sie auch präsentiert werden. Niemand hat etwas davon, wenn alle Projekte, die von einem Ministerium oder dem Bund finanziert werden, auch danach aussehen.
Gerade öffentlich finanzierte Projekte sollten mutig sein dürfen.
Dass eine Behörde klar, sachlich und nüchtern kommunizieren muss, steht außer Frage – die geförderten Projekte müssen das aber nicht unbedingt. Bei vielen öffentlichen Trägern besteht die Sorge, den Bürger mit einem zu mutigen Design vor den Kopf zu stoßen. Allerdings darf man die Empfänger auch nicht unterfordern. Zudem haben sich die Sehgewohnheiten, vor allem durch die sozialen Medien, in den letzten Jahren stark verändert. Heute gestalte ich z. B. ganz anders für eine Generation 50+, als vor 15 Jahren.
Dock 11: Unsere Zielgruppe besteht aus Designer:innen, Musiker:innen, Autor:innen, Architekt:innen und Kreativschaffenden aller Sparten – also Menschen mit hohem ästhetischem Anspruch. Wie gestaltet man für eine Szene, die selbst täglich über Gestaltung urteilt?
Markus: Diesem Anspruch gerecht zu werden war vielleicht die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Corporate Designs und der Website. Weil uns von Anfang an klar war, dass es ein lautes Design werden soll, haben wir versucht alle Einschränkungen über Bord zu werfen. Es geht natürlich in erster Linie darum, die Aufmerksamkeit auf die saarländische Kreativwirtschaft mit all ihren Facetten zu lenken und zu stärken. Hierfür ist unserer Auffassung nach ein knalliges, buntes aber auch flexibles Design am besten geeignet. Das Design soll nicht direkt als Bühne dienen, in dem die Kreativschaffenden ihre Arbeit präsentieren. Für diesen Zweck wäre ein schlichteres Design, das sich zurück nimmt, am sinnvollsten. Die Website dient mehr als Multiplikator für die saarländischen Kreativen, denn als Bühne. Unser Design soll zeigen, dass es eine lebendige und große Gemeinde an Kreativschaffenden im Saarland gibt und den Fokus der Öffentlichkeit darauf lenken.
Unser Design soll zeigen, dass es eine lebendige und große Gemeinde an Kreativschaffenden im Saarland gibt.
Dock 11: Die Website ist keine Image-Seite, sondern eine Arbeitsplattform mit Redaktion, Events, Beratung und mehreren Datenbanken. Wie schafft man es, eine solche inhaltliche Dichte so zu strukturieren, dass Orientierung entsteht, ohne dass die Seite an Charakter verliert?
Markus: Ein klarer Aufbau und ein knalliges Webdesign schließen sich nicht aus. Wir haben zunächst gemeinsam eine neue Struktur für die Website erarbeitet und Kategorien und Themen neu sortiert. Die Startseite splittet sich bzgl. Content in zwei Bereiche – NEWS und ACTION.
Je knalliger das Design ist, desto klarer muss die Website strukturiert sein.
Die News nehmen einen sehr großen Teil ein, weil sie auch tatsächlich täglich gepflegt werden und einen echten Mehrwert bieten. Das ist ein wichtiger Grund um die Website regelmäßig zu besuchen. Der zweite Bereich ermöglicht den Schnelleinstieg zu den wichtigsten Angeboten von Dock 11. Hierzu gehört z. B. auch KREATIVE KÖPFE, die Datenbank mit saarländischen Kreativen.
Je knalliger das Design ist, desto klarer muss die Website strukturiert sein. Die größte Herausforderung war es aber, die bestehenden Inhalte, die dem Aufbau der alten Seite entsprechen, in das neue Layout zu übertragen. Hier war es uns wichtiger, ein stimmiges, neues Design zu entwickeln, statt uns zu sehr an den alten Inhalten zu orientieren. In der Übergangsphase sieht man das einigen Beiträgen natürlich an. Hier wird kontinuierlich nachgeschärft. Das beginnt schon bei der geringeren Auflösung mancher Bilder aus dem alten Layout. Wir wollten den Fokus aber auf die zukünftigen Inhalte legen und nicht auf die, die aus der alten Website übernommen wurden.
Dock 11: Woran würdest du in einem Jahr erkennen, dass das neue Design funktioniert? Und was sollten Kreativschaffende wie auch eine breitere Öffentlichkeit auf der neuen Dock-11-Website unbedingt entdecken?
Markus: Am spannendsten und am wichtigsten sind natürlich die Rückmeldungen der User, ob das Design der Website bis ins letzte Detail funktioniert. Gerade eine Website dieser Größenordnung wird kontinuierlich weiter entwickelt. Wieviel evtl. noch angepasst werden muss, wird sich zeigen.
Ich bin ein Freund von flexiblen Designs. Das gilt natürlich auch für diese Website. Wenn sich herausstellt, dass wir Elemente in der Struktur verbessern können, dann sind wir froh über jedes Feedback. Genau darauf sind wir als Gestalterinnen und Gestalter angewiesen – auf ehrliche Rückmeldungen.
Das Corporate Design in der echten Welt hat sich schon jetzt bewährt. Wir freuen uns über das zahlreiche und positive Feedback sehr.
Dock 11: Vielen Dank, Markus, für deine Zeit und die spannenden Einblicke in eure Arbeit!
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