
Der Einmal im Jahrmarkt bespielt den Saarbrücker Bürgerpark mit Kunst, Musik und urbaner Kultur. Wir haben mit Mitgründer Simon über die Anfänge des Formats, DIY-Kultur, Nachwuchsförderung und die nächsten Schritte des Projekts gesprochen.
TL;DR
Am 18. Juli wird der Saarbrücker Bürgerpark wieder zum Treffpunkt für Kunst, Design, Musik und urbane Kultur. Freut euch auf kreative Marktstände, Live-Musik von saarländischen Nachwuchsacts im VERSTÄRKER-Format auf dem Einmal im Jahrmarkt!
Einmal im Jahrmarkt
Wann: 18. Juli 2026, 15 Uhr
Wo: Bürgerpark Saarbrücken
VERSTÄRKER X Einmal im Jahrmarkt
Acts: Amy Crimehouse | Drückeberger | Nikk
Wann: 18. Juli 2026, ab 21:00 Uhr
Wo: Bürgerpark Saarbrücken
Eintritt Frei!
Der Einmal im Jahrmarkt bringt einzigartige Momente in den Saarbrücker Bürgerpark und verwandelt die Fläche unter der Westspange in der Nähe des Skateparks in einen lebendigen Ort voller Kunst, Musik und urbaner Kultur.
Eindeutig einordnen lässt sich das Format kaum: Zwischen Tattoo- und Toothgem-Artists, selbst hergestelltem Schmuck, Keramik und Fashion entsteht ein vielfältiger Mix aus dem, was die urbane Szene in Saarbrücken so zu bieten hat. Im Mittelpunkt steht aber vor allem die Ambition, aufstrebenden Kreativschaffenden aus dem Saarland eine Plattform zu bieten, die so sonst schwer zu finden ist – eingekuschelt in das herzliche Miteinander der Bubble und dennoch im Austausch mit der Welt darum.
Ergänzt wird das Programm durch junge Musikacts aus der Region, mal DJ-Kollektive, mal Bands. Letztes Jahr fand bereits eine Ausgabe unseres VERSTÄRKER Formates beim Einmal im Jahrmarkt statt und auch dieses Jahr werden wieder lokale Artists auf den Bühnen des Einmal im Jahrmarkt ihr Bestes geben.
Dies nahmen wir als Anlass, um mit Veranstalter Simon über das Event und seine Idee dahinter zu sprechen.
Dock 11: Hi Simon, erzähl uns doch gerne, wie es zu der Idee des Jahrmarkts gekommen ist, und wieso gerade an diesem Ort? Welche Schwierigkeiten waren damit verbunden, den Jahrmarkt an einem so unkonventionellen Ort zu machen?
Simon: Hey und vielen Dank für eure Anfrage!
Der JahrMarkt ist ehrlicherweise aus einem sehr chaotischen Austausch zwischen meinem Mitbegründer Julian und mir entstanden und war anfangs nicht mehr als ein „Ja lass mal machen!“.
Was wir da machen wollten, war glaube ich noch gar nicht so wirklich klar. In jedem Fall war es schon immer unsere Ambition, möglichst viele schaffende Menschen zusammenzubringen, sie zu vernetzen und ihnen möglichst viel Aufmerksamkeit zu schenken.
Der Bürgerpark war damals und ist vermutlich immer noch die am einfachsten buchbare öffentliche Fläche, die dazu noch bekannt und gut zugänglich ist. Und wenn man jung und unerfahren ist und nichts vorweisen kann außer Motivation und komischen Ideen, sind das sehr wichtige Kriterien.
Seit dem ersten Jahr kam für uns auch nie eine Alternative in Frage!
Wir waren auf dieser abgeranzten Fläche unter der Westspange und haben uns direkt in alles dort verliebt – das direkte Ufer zum Teich hin, die natürliche Eingrenzung, die uns in diesem riesen Park in eine kleine kreative Höhle einschließt und die halb zerfallenen Mauerteile, die schon ganz viel Struktur und Charakter mitbringen.
Man merkt, ich bin noch immer ein großer Fan dieses unkonventionellen Ortes und nehme gerne jede Hürde auf mich – Probleme mit der Stromversorgung, weit entfernte Toiletten, Sicherheitsrückfragen von der Stadt – um den JahrMarkt dort halten zu können.
Dock 11: Was erwarten Besucher:innen, die zum ersten Mal vorbeikommen?
Simon: Ich glaube, sie erwarten echt nicht viel und sind dann hoffentlich – und glücklicherweise auch meistens – sehr begeistert von der Andersartigkeit, der liebevollen Ausarbeitung und der wertschätzenden Atmosphäre des Events.
Uns war es immer wichtig, kein Imbiss-Stadtfest zu sein. Wir wollen Dinge zeigen, die du sonst nicht oder zumindest nicht häufig oder zumindest nicht in dieser Konzentration findest und dabei Menschen präsentieren, die mit Mühe und Zuwendung Erschaffen oder Kuratieren und sich ehrlich über die Aufmerksamkeit freuen, die man ihnen und ihrer Arbeit schenkt, weil sie das was sie tun, aus Leidenschaft tun.
Dock 11: Wer kann bei euch einen Stand machen und unter welchen Bedingungen?
Simon: Wir freuen uns über jeden, der/die Leidenschaft in eine kreative oder kulturelle Tätigkeit steckt und auf dem Weg ist, ein bisschen mehr daraus zu machen als nur ein Hobby.
Mode, Schmuck, Töpferware, Kunsthandwerk im Allgemeinen, Design- & Grafikarbeiten, Tanz- & Designworkshops, Leinwandkunst, Kulinarische Angebote, individuell gestaltete Longboards – wir haben vieles schon gehabt und freuen uns auf weitere Bereicherungen!
Allerdings sind wir natürlich auch ein kuratierter Markt, was bedeutet, dass wir hin und wieder mal eine Anfrage ablehnen müssen, wenn sie sich aus unserer Perspektive nicht umsetzen lässt oder wir bereits zu viele Angebote aus dem gleichen Bereich haben.
Versuch es einfach mal und schick uns eine Anfrage – schwer ist es nicht 😉
Dock 11: Welche Bedeutung haben selbstorganisierte Kulturinitiativen für die Stadt / Land?
Simon: Selbstorganisierte Initiativen sind eine der Grundsäulen von Kultur. Wenn man die ganze kulturelle Arbeit nur den Akteuren überlässt, die sie kommerziell betreiben, wird sie unnahbar und abgenutzt. Aber vor allem können DIY Initiativen dem Nachwuchs eine Bühne bieten und ihnen dabei helfen sich zu professionalisieren. Das passiert selten von Kultur Akteuren die wirtschaftlich agieren müssen.
Wenn man die ganze kulturelle Arbeit nur den Akteuren überlässt, die sie kommerziell betreiben, wird sie unnahbar und abgenutzt.
Wirtschaftliche Interessen bedeuten meistens auch, sich nicht mehr so viel zu trauen, keine neuen verrückten Ideen mehr zuzulassen und auf das Bewährte zu setzen. Das erzeugt eine Barriere für den Nachwuchs, der gerade erst auf dem Weg ist, sich zu professionalisieren. Für Menschen, die Erfahrung sammeln müssen, die Plattformen brauchen, auf denen sie gesehen werden, ohne dass direkt der Anspruch der selbstsicheren Professionalität an sie gerichtet wird.
So etwas zuzulassen und zu fördern, schafft Dynamik in der Kulturszene und stärkt auch das allgemeine Bewusstsein dafür, dass es kein Ding der Unmöglichkeit ist, seine Arbeit einem Publikum vorzustellen.
Alles, was es dann noch braucht, ist Mut 😉
Dock 11: Letztes Jahr war der Einmal im Jahrmarkt bereits Gastgeber für unser Musikformat „VERSTÄRKER“ und auch in diesem Jahr wird das Format wieder Teil des Programms sein.
Was macht ein Format wie „VERSTÄRKER“ für euch interessant?
Simon: Wir stehen hier alle ganz doll auf einer Linie, denn im Endeffekt verfolgt VERSTÄRKER auf einer Musik-Ebene schon immer genau die Philosophie, die der JahrMarkt auf einer Kreativhandwerks-Ebene lebt.
Ein besserer Match ist schwer aufzutreiben und mit Dock11 hatten wir dann auch endlich mal eine Institution an Bord, die außer Motivation auch noch ein bisschen Verständnis von Planung, Koordination und funktionierenden Abläufen hat – ein voller Win für alle uns und daher auch dieses Jahr völlig fest gesetzt <3
Dock 11: Dieses Jahr kommt mit dem Dock 11 Lab noch ein weiteres Angebot dazu. Helfen solche Strukturen dem Nachwuchs – und wo fehlt es noch? Wo seht ihr aktuell die größten Herausforderungen für junge Kulturveranstalter:innen?
Simon: Hey ganz ehrlich – don‘t ask me, ask den Nachwuchs – aber aus meiner Perspektive ist jedes Angebot für offenes und freies Schaffen ein Gewinn für alle, die sich trauen es wahrzunehmen.
Allerdings ist genau das auch die Herausforderung solcher Angebote.
Studierende der HBK haben wahrscheinlich genug Möglichkeiten, irgendwie an Material und Geräte zu kommen und sind ja bereits dabei, ihre kreative Energy zu professionalisieren. Ein Game-Changer ist dieser Raum also vor allem für jene, die außerhalb der HBK Bubble existieren und wundersamer Weise trotzdem kreativ sind. Und wo gehen Leute hin wenn Sie bei der Hbk ihren Abschluss gemacht haben?
Die größte Herausforderung und meiner Meinung nach auch eine der obersten Verpflichtungen von Kulturveranstalter:innen ist es demnach, Kreativität, freies kreatives Denken und das Erkennen der eigenen Potentiale in die Gesellschaft zu tragen und dabei auf Räume und Angebote wie das Lab aufmerksam zu machen.
Dock 11: Die Vereinsgründung ist ein klarer Schritt in Richtung Professionalisierung. Welche konkreten Vorteile erhofft ihr euch davon – rechtlich, finanziell, strukturell – und wie verändert das eure Möglichkeiten als Veranstalter:innen?
Simon: Erstmal bin ich ganz froh, nicht mehr mit meinem halben Leben für jeden JahrMarkt zu haften. Außerdem gestaltet es sich deutlich einfacher, Spenden zu bekommen und öffentliche Fördermittel zu beantragen.
Aber der größte und wichtigste Vorteil eines Vereins ist die demokratische Struktur, die Möglichkeit, Verantwortung zu übergeben und das Potential zur Entfaltung.
Schlussendlich können wir den JahrMarkt nur durch ein gemeinsames Wirken vieler aktiver und begeisterter Menschen realisieren und jeder davon hat natürlich auch ein Bedürfnis gesehen und gehört zu werden, den Kurs der Veranstaltung mit zu prägen und den berechtigten Anspruch, die eigene Arbeit für die Sache und nicht die Bereicherung eines/einer anderen zu leisten.
Ein Verein gibt die Möglichkeit, Regeln und Zuständigkeiten für das gemeinsame Arbeiten zu setzen, auf die sich alle einigen können und einen Zweck verbindlich festzulegen, der uns alle motiviert. Durch die Definition von Ämtern und demokratischen Wegen, diese Ämter zu übernehmen, haben wir uns die Chance gegeben, Wissen und Verantwortung weiterzugeben, statt sie auf ewig bei den gleichen Personen vergammeln zu lassen. Das gibt uns Dynamik und ist meiner Meinung nach eine ganz große Gelegenheit zur persönlichen Weiterentwicklung für alle, die sich trauen, so eine Verantwortung wahrzunehmen. Ich muss und will die Markt-Koordination nicht noch 5 Jahre machen und habe jetzt die Möglichkeit, andere an diese Aufgabe heranzuführen, dem JahrMarkt so mehr Zukunft schenken zu können und mich darauf zu konzentrieren, den Verein und seine Mission an anderer Stelle voranzutreiben.
Wird bestimmt nicht einfach, dieses Baby aus den Händen zu geben, aber ich finde, Verantwortung wahrzunehmen, impliziert auch immer, diese wieder abgeben zu können.
Dock 11: Lieber Simon, danke für das Interview und deine Zeit! Wir wünschen weiterhin viel Erfolg.
Der nächste Einmal im Jahrmarkt findet am 18. Juli statt und beginnt um 15 Uhr.
Weitere Infos über VERSTÄRKER X Einmal im Jahrmarkt findet ihr hier.
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