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Keine Zeit Medien

Keine Zeit Medien
Foto: Keine Zeit Medien

Abseits des Mainstream ist die Vernetzung unter den einzelnen Kreativsparten enorm. So sind die videoproduzierende Branche im Saarland und die hiesige Musiklandschaft sich nicht nur in Diversität und Vielfalt ähnlich, auch profitieren beide Bereiche enorm vom Austausch untereinander. Welche gegenseitigen Synergieeffekte aus dieser Schnittstelle hervorgehen, kann man sehr schön an den Arbeiten der Saarbrücker Keine Zeit Medien ablesen. Für lokale Indiemusiker, die in ihren Gefilden überregionale Bekanntheit genießen, ist Keine Zeit Medien vertrauensvoller Ansprechpartner wenn es darum geht, alternative Musik in ebenso alternativen Musikvideos abzubilden.
Ein so spannender wie unübersichtlicher Mikrokosmos in der saarländischen Kreativwirtschaft. Wir trafen die beiden Köpfe hinter Keine Zeit Medien zum Gespräch und ließen uns selbst den Keine Zeit Look verpassen!

Dock 11: Hey Pascal, Hi Tobi, schön, dass ihr euch kurz Zeit genommen habt. Unter dem Namen Keine Zeit Medien produziert ihr Musikvideos für ganz verschiedene Künstler. Wie kamt ihr dazu?

Pascal: Da wir beide auch Musik machen, kamen wir dazu eher aus einem DIY Gedanken. Ich betreibe seit 2003 ein kleines Independent Label namens Meudiademorte. 2007 habe ich angefangen für eigene Projekte (Datashock), Bands auf meinem Label und befreundete Musiker Videos zu machen. Alle eigentlich aus einem Umfeld, was ich selbst auch veröffentlicht habe. Viele Collagen aus Found Footage Material, die zu der Zeit alle noch auf meinem Label Youtube Kanal veröffentlicht wurden. Über die Jahre kamen dann immer mehr Anfragen von anderen Bands und 2016 hab ich mich dann entschieden das ganze unter Keine Zeit Medien laufen zu lassen. Tobi hab ich ungefähr in der Zeit kennen gelernt. Wir beide studieren auch zusammen an der HBK Saar, er Media Art & Design, im Filmatelier, ich studiere Freie Kunst mit dem Schwerpunkt „Soundart“.

Uns interessiert eine Bildsprache, die man so relativ selten sieht oder erwartet

Dock 11: Ihr arbeitet mit einer Mischung verschiedener technischer Mittel in einem Spannungsverhältnis zwischen analog und digital. Wie habt ihr zu eurer Bildsprache gefunden? 

Pascal: Viel Try & Error. Uns interessiert eine Bildsprache, die man so relativ selten sieht oder erwartet, deswegen experimentieren wir gerne mit den verschiedensten Techniken. Einerseits mögen wir es gerne mit veralteten analogen Geräten zu arbeiten, sei es VHS oder Mini DV Kameras, alte Videomischpulte oder analoge Effekte. Andererseits stehen wir auch auf die Möglichkeiten von HD/4K und digitale Effekte. Die Mischung macht es.

analoge statt digitaler Effekte

Dock 11: Geht ihr dabei auf die unterschiedlichen Künstler und ihre Stoffe ein oder ist es für euch wichtiger eurer eigenen Ästhetik und Bildsprache treu zu bleiben.

Tobi: Wir gehen schon auf die Künstler ein. Ich bin froh darüber, dass wir für so ein breites Spektrum an Genres arbeiten dürfen und angefragt werden. Denn so können wir uns immer wieder was neues einfallen lassen, was zu den Songs passen könnte. So hat es sich ergeben, dass wir nicht in eine Nische gesteckt werden und nicht nur Rapvideos produzieren, sondern auch Punk, Noise, Indie etc. Das heißt nicht, dass man sich verbiegen muss, da sich unsere Videoästhetik und Bildsprache ohnehin immer wieder verändert. Wenn man sich beispielsweise die drei Musikvideos von Cairo anschaut, kann man deutlich Einflüsse aktueller Musikvideos im Trap finden.

Ich bin froh, dass wir für so ein breites Spektrum an Genres arbeiten dürfen

Wir versuchen allerdings diese wieder umzugestalten oder mit anderen Mitteln durchzusetzen, beispielsweise analoger statt digitaler Effekte zu nutzen. Das erste Video für Cairo war noch eine Performance und Hommage an die amerikanischen homemade Musikvideos, etwa von Chief Keef, die wir mit drei Kameras (zwei digitalen und einer VHS) aufzeichneten. Hier setzten wir in der Postproduktion digitale und analoge Effekte ein. Wohingegen das zweite Musikvideo „s/o“ gänzlich ohne Effekte auskommt, die nicht direkt vom Drehort durch Kamera oder Licht stammen. Im neuesten Video zu Crash haben wir uns zum ersten mal an etwas Szenisches herangetraut und die Geschichte dann im Schnitt mit Stop Motion und verschiedensten analogen Effekten erweitert.

Dock 11: Ihr seid über die eigene Musik dazu gekommen Videos zu drehen. Unter dem Label Keine Zeit Medien macht ihr aber auch beispielsweise Layout Arbeiten für Cover. Wie sieht es derzeit mit dem Business aus? Verdient ihr Geld mit Keine Zeit Medien? 

Pascal: Ich glaube die Zeiten, in denen man von Independent Musik leben kann, als Musiker oder als Designer / Videoproduzent, sind vorbei. Denn die Budgets, selbst bei größeren Musik Labels, sind erschreckend klein. Das macht die Entscheidung leichter, nur Projekte umzusetzen, auf die wir wirklich Lust haben und dabei auch komplette kreative Freiheit genießen.

Dock 11: Für wen habt ihr alles bereits Musikvideos gedreht und welches Video gefällt dir persönlich am Besten?

Pascal: Wir haben in den 3 Jahren mittlerweile rund 25 Musikvideos gedreht. Ich mag eigentlich fast alle Videos noch. Finds schwer zu sagen, was mir persönlich am besten gefällt. Klar sind davon ein paar ältere technisch etwas schlechter produziert, bzw. würden wir das mittlerweile besser hinbekommen. Dafür gibt es dann aber andere Aspekte, die sie für mich immer noch besonders machen. Die bekannteren Bands wären: Human Abfall, Pabst, Hildegard von Binge Drinking, Cairo, DerBenman, Tetsuo, Brown Eyes-White Boy.

Ich mag es, wenn sich die Beteiligten nicht allzu ernst nehmen


Tobi: Einen richtigen Favoriten habe ich auch nicht wirklich aber ich würde sagen am meisten Freude hatten wir bei den Videos, bei denen viele Leute involviert waren, etwa bei Brown Eyes-White Boy – Baby Milo, Cairo – Crash, oder Hildegard von Binge Drinking – Discomfort Zone. Ich mag es, wenn sich die Beteiligten, die dabei sind, nicht allzu ernst nehmen, Spaß an der Arbeit haben und man trotzdem etwas von Qualität schaffen kann. Außerdem schaue ich heute gerne noch Nxtlvl Alien Gang – Chinatown, weil das mein erstes Musikvideo überhaupt war.

Wir baten Pascal und Tobi darum, Dock 11 im Keine Zeit Stil erscheinen zu lassen. Das Ergebnis seht ihr hier:

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