Portrait eines Mannes (Philip Pelgen) mit Glatze und Bart in einem hellen Pullover vor grünem, texturiertem Hintergrund. Über dem Bild liegt der handgeschriebene orangefarbene Schriftzug 'Unvergessen Agentur'. Das Bild hat eine vintage-artige, leicht körnige Ästhetik in Grün- und Beigetönen.

TL;DR

Aus einem Gedenkportal nach einem persönlichen Verlust entstand die Unvergessen Agentur, Deutschlands erste Social-Media-Agentur für Bestattungsunternehmen. Heute bietet sie strategische Kommunikation, Schulungen und Beratung, um Bestatter:innen digital sichtbar zu machen.

Dock 11: Hallo Philip! Danke, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst! Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Social-Media-Agentur ausschließlich für Bestattungsunternehmen zu gründen? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder eine Marktlücke für diese Hyperspezialisierung, die ihr erkannt habt?  

Gründer Philip Pelgen. Foto: Unvergessen Agentur

Philip: Ursprünglich habe ich in einem Krematorium gearbeitet und habe mich dort um Marketing und um die Online-Auftritte gekümmert. Bei mir war es dann der Tod meiner Schwiegermutter, der mich dazu gebracht hat, Unvergessen.de zu gründen. Dieses Gedenk-Portal haben wir über die sozialen Medien bekannt gemacht. Wir haben heute in Summe über 400.000 Abonnent:innen bei Facebook & Instagram. Das haben natürlich auch ein paar Bestattungsunternehmen mitbekommen und die haben uns dann gefragt, ob wir ihnen nicht dabei helfen können, ihre eigenen Social Media Kanäle aufzubauen. 

Dock 11: Heute bietet ihr weit mehr als nur Social Media Management: Strategieberatung, Videoproduktion, Schulungsplattform, Website-Entwicklung, Google-Bewertungsmanagement. Wie hat sich euer Angebotsportfolio entwickelt und wie stellt es sich aktuell dar?

Philip: Das Angebot hat sich so entwickelt, weil wir immer mit neuen Problemen konfrontiert wurden, die wir lösen mussten. Als es mehr Aufträge gab, war es wichtig, Personal zu finden. Dann wurde es wichtig, dieses Personal zu schulen. Nun wird es immer wichtiger, den Bestatter:innen auch bei der Gestaltung ihrer Prozesse zu helfen. Es entwickelt sich also zu einer umfassenden Unternehmensberatung mit Marketing-Fokus, die bei sehr vielen der typischen Probleme des Alltags von Bestattungsunternehmen helfen kann.  

Ein gutes Team aufzubauen, welches motiviert ist und unsere Werte vertritt, ist und bleibt die wichtigste Aufgabe.

Dock 11: Welche unternehmerischen Herausforderungen habt ihr am meisten unterschätzt? War es die Akquise in einer eher konservativen Branche, der Aufbau eines spezialisierten Teams oder die Balance zwischen Wachstum und Qualität?

Philip: Definitiv die Geschwindigkeit, mit der wir gewachsen sind. Wir haben sehr schnell viele Unternehmen als Kunden gewonnen und mussten lernen, die Qualität trotz des Wachstums sicherzustellen. Das ist uns zum Glück vor allem aufgrund unseres tollen Teams gelungen.
Ein gutes Team aufzubauen, welches motiviert ist und unsere Werte vertritt, ist und bleibt die wichtigste Aufgabe. Wir sind daher dauerhaft auf der Suche und freuen uns über Bewerbungen unter karriere.unvergessen-agentur.de

Das Team der Unvergessen Agentur beim Krimi-Dinner. Foto: Unvergessen Agentur

Dock 11: Tod und Trauer gelten in den sozialen Medien als hochsensible Themen. Wie entwickelt ihr Content-Strategien, die einerseits die nötige Würde und Empathie bewahren, andererseits aber auch Reichweite und Engagement generieren? Gibt es Formate, die besonders gut funktionieren?

Philip: Wir entwickeln Inhalte, die nicht den Tod in den Mittelpunkt stellen, sondern den Menschen. Das können Einblicke in die Arbeit, Geschichten, aufklärende Inhalte und Momente sein, die zeigen, dass Bestattung mehr mit Leben zu tun hat, als man denkt. Dabei ist es wichtig, die Gesichter zu zeigen und klar zu machen, dass Bestatter und Bestatterinnen auch nur normale Menschen sind.

Dock 11: Wo seht ihr die Unvergessen Agentur und die Bestattungsbranche in fünf Jahren – insbesondere im Hinblick auf digitale Kommunikation, neue Technologien wie KI und die gesellschaftlichen Veränderungen im Umgang mit Tod und Trauer? Wird euer Fokus auf die Bestattungsbranche beschränkt bleiben oder gibt es Expansionspläne?

Wir entwickeln Inhalte, die nicht den Tod in den Mittelpunkt stellen, sondern den Menschen.

Philip: Die Branche verändert sich traditionell langsamer als andere Branchen. Dennoch merkt man, dass die Digitalisierung und KI die Bestattungswelt stark prägen werden. Trotzdem gehe ich davon aus, dass auch in ein paar Jahren immer noch der Mensch die wichtigste Rolle bei der Entscheidungsfindung für eine:n Bestatter:in spielen wird.
Unser Fokus soll langfristig auf Themen bleiben, die dazu beitragen, dass der Umgang mit dem Thema Tod & Trauer sich in der Gesellschaft verbessert. Dazu arbeiten wir beispielsweise neben Bestattungsunternehmen auch schon mit den ersten Friedhöfen oder Krematorien zusammen, die ebenfalls spannende Geschichten zu erzählen haben. Uns wird sicherlich nicht langweilig. 

Dock 11: Lieber Philip, danke für diese spannenden Einblicke in deine wirklich besondere Agentur! Wir wünsch dir und deinem Team weiterhin eine erfolgreiche Arbeit mit diesem sensiblen Thema!

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