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Stipendienprogramm für Kulturschaffende

Stipendienprogramm für Kulturschaffende

Das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes hat ein Stipendienprogramm für saarländische Solo-Kulturschaffende in Höhe von 2,5 Millionen € aufgelegt. Es können einmalig bis zu 3000 € pro Antrag ausbezahlt werden.

Der Kitt der Gesellschaft

„Kunst und Kultur sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, konstatierten die drei Event-Macher am 19. Mai in unserem Digitalk #2 unisono. Doch für viele Solo-Selbstständige aus der für unser Zusammenleben so relevanten Kunst- und Kulturbranche kamen die Corona-Soforthilfen des Landes und des Bundes nicht in Frage, zu sehr waren diese auf Betriebskosten fokussiert. Existenzängste dominierten die Szene. Aber das Kulturministerium feilte an einer Lösung, um auch dieser wichtigen Berufsgruppe eine passende Unterstützung zu gewähren. Nun hat die amtierende Ministerin für Bildung und Kultur, Christine Streichert-Clivot, diese in der saarländischen Kreativszene lange erwartete Hilfsmaßnahme in Form eines Stipendienprogrammes vorgestellt. Das Saarland stellt dafür insgesamt 2,5 Mio. € zur Verfügung. Bis zu 3.000 € pro Stipendium können einmalig beantragt werden.

 

Richtlinien und andere Formalien

Wer kann nun dieses Hilfsprogramm in Anspruch nehmen? Antragsberechtigt sind solo-selbstständige Kunst- und Kulturschaffende, die seit mindestens 15. März 2020 ihren Wohnsitz im Saarland haben und mindestens 50 % ihres Jahreseinkommens mit dieser Tätigkeit erwirtschaften. Zu beachten ist außerdem, dass nur antragsberechtigt ist, wer nicht die Soforthilfen von Bund und Land in Anspruch genommen hat. Ihr könnt das Stipendium über dieses Formular beantragen. Lest euch im Vorfeld bitte unbedingt auch die Richtlinien des Stipendienprogramms durch.

 

Das Interview

Wir von Dock 11 haben dieses Stipendienprogramm zum Anlass genommen, mit Christine Streichert-Clivot über die aktuelle Situation der Branche und die notwendigen Hilfsmaßnahmen zu sprechen.

Dock 11: Guten Tag Frau Streichert-Clivot, schön, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen genommen haben. Was hat Sie bewogen, neben den Soforthilfen, die es bereits gibt, ein Stipendienprogramm für Kunst- und Kulturschaffende aufzulegen?

Christine Streichert-Clivot: Unsere Wirtschafts- und Arbeitsministerin Anke Rehlinger hat mit den Soforthilfen des Landes noch vor dem Bund ein Hilfspaket geschnürt. Wir waren uns von Anfang an einig, dass dieses Programm auch Künstlerinnen, Künstlern und Kulturschaffenden helfen muss. Die Kunst- und Kulturbranche war ja durch die Absagen von Veranstaltungen mit als erste von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betroffen. Klar war auch damals schon, dass viele Kulturschaffende keine großen Rücklagen haben und schnell Hilfe brauchen würden. Das Soforthilfeprogramm des Bundes hingegen hilft vielen in der Kunst- und Kulturszene leider nicht, weil es stark auf Betriebskosten abstellt. Soloselbstständige Kulturschaffende ohne eigenen Betrieb profitieren vom Bundesprogramm nicht. Mir ging es darum, dass auch sie Unterstützung bekommen. Ich freue mich deshalb sehr, dass die Landesregierung meinem Vorschlag gefolgt ist und wir nun ein mit 2,5 Millionen Euro hinterlegtes landeseigenes Stipendienprogramm für Kulturschaffende haben. Das Interesse am Stipendium ist groß. 

Dock 11: In den Richtlinien ist von Kulturschaffenden, aber auch von Künstlern und Künstlerinnen die Rede, die antragsberechtigt sind. Können somit Solo-Selbstständige aller 11 Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft das Stipendium beantragen?

Christine Streichert-Clivot: Unser Stipendienprogramm ist offen angelegt, es richtet sich an Solo-Selbstständige im Kunst- und Kulturbereich. Das Stipendium bietet Kunst- und Kulturschaffenden auch in der Krise die Möglichkeit, produktiv zu sein, künstlerisch und kulturell tätig zu sein. Die Art und Weise der Arbeit ist den Stipendiatinnen und Stipendiaten freigestellt. In der Richtlinie haben wir geregelt, dass dabei alle Kunstrichtungen gleichberechtigt sind. Mir war es wichtig, dass Kulturschaffende mit der Finanzspritze Zeit bekommen, um nachzudenken, vielleicht auch ein liegengebliebenes Projekt fertigzustellen oder Neues beginnen zu können. Es ist wichtig, dass wir auch nach der Krise eine bereichernde Kulturszene haben.

Neben dem Stipendienprogramm haben wir uns übrigens für eine sehr flexible Handhabe der Projektförderung entschieden. Förderzusagen aus der Zeit vor Corona erhalten wir aufrecht, auch wenn sie etwa an Veranstaltungen geknüpft waren, die jetzt nicht mehr stattfinden. Und Projektförderung kann natürlich weiterhin beantragt werden, das ist auch ein Anknüpfungspunkt an das Stipendienprogramm. Zusätzlich habe ich entschieden, den Ankaufetat für die Landeskunstsammlung um 100.000 Euro aufzustocken, das heißt, mehr als zu verdreifachen. Bildende Künstlerinnen und Künstler, die im Saarland leben und arbeiten, können bei diesem Sonderprogramm einmalig den Ankauf eines Kunstwerkes im Wert von bis zu 2.000 Euro durch das Land beantragen. Mit den Ankäufen fördern wir einerseits direkt die bildenden Künstlerinnen und Künstler im Land, andererseits bereichern die Ankäufe diese unsere einzigartige Kunstsammlung um aktuelle Werke. Das ist ein Gewinn für alle.

Dock 11: Beim Stipendienprogramm ist die Art und Weise der kulturellen Arbeit den Kunstschaffenden freigestellt. Ist der Gedanke dahinter, auch diejenigen zu unterstützen, die nicht digital arbeiten können?

 

‚Zeit zum Denken‘

Christine Streichert-Clivot: Ja, genau. Wir erleben zwar gerade in vielen Bereichen einen enormen Digitalisierungsschub und neue digitale Formate. Das gilt auch für Kunst und Kultur. Aber natürlich können und wollen gar nicht alle Kunst- und Kulturschaffenden ins Digitale wechseln. Das ist etwa für viele bildende Künstlerinnen und Künstler sehr schwierig. Hinzu kommt, dass sich viele Künstlerinnen und Künstler schon lange ‚Zeit zum Denken‘ wünschen. Die Zeit des Stipendiums kann ganz frei genutzt werden, es gibt keine Einschränkungen. Das war mir wichtig.

Dock 11: Wie hoch schätzen sie den Bedarf an dieser Hilfe in der saarländischen Kunst- und Kulturszene ein, nachdem viele bereits die Soforthilfen von Bund und Land bekommen haben?

Christine Streichert-Clivot: Der Bedarf hängt natürlich sehr stark davon ab, wie lange wir noch mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens, dem Abstandhalten und ohne Großveranstaltungen leben müssen – also von der Entwicklung der Infektionszahlen und damit der Dauer der Corona-Krise. Ich gehe davon aus, dass unser Unterstützungspaket für die Kultur gut durch die akute Krise trägt. Was die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten angeht, bin ich aber eher skeptisch. Wir brauchen deshalb ein starkes und längerfristig wirkendes Konjunkturprogramm. Ein solches Programm kann aber nur der Bund stemmen.

Dock 11: Erwarten Sie weitere speziell auf die Kunst- und Kulturwirtschaft zugeschnittene Hilfsmaßnahmen vom Bund?

Christine Streichert-Clivot: Ja, ich gehe davon aus. Dafür habe ich mich sowohl in der Kulturministerkonferenz als auch im Bundesrat eingesetzt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz arbeitet aktuell an einem Konjunkturprogramm, von dem auch Kunst und Kultur profitieren. Wenn es in der von ihm vorgeschlagenen Form vom Bundeskabinett beschlossen wird, wird es auch Kunst- und Kulturschaffende in allen Sparten gezielt unterstützen.

Dock 11: Für welchen Zeitraum ist das Stipendium angedacht, also bis wann müssen die Kunstschaffenden Ergebnisse vorweisen und in welcher Form?

Christine Streichert-Clivot: Die Richtlinie besagt, dass nach Ablauf des Stipendiums ein Arbeitsnachweis in Form einer Dokumentation oder eines Tätigkeitsberichts vorgelegt werden soll. Der Nachweis richtet sich also nach der künstlerischen Arbeit, für die die Zeit genutzt wurde. Wie lange die Künstlerin oder der Künstler Zeit hat, den Nachweis vorzulegen, wird im Bewilligungsbescheid stehen. Da die Richtlinie zum 31. Dezember 2020 außer Kraft tritt, sollte der Arbeitsnachweis bestenfalls auch bis spätestens dahin vorgelegt werden.

Dock 11: In Rheinland-Pfalz wurde ein 6-Punkte-Programm aufgelegt, das mehrere Bereiche des kulturellen und kreativwirtschaftlichen Lebens revitalisieren soll. Zusätzlich zu den Arbeitsstipendien an Künstlerinnen und Künstler in Höhe von 2.000 Euro zielt das Programm in RP auf weitere Bereiche, wie die Unterstützung von Kulturvereinen, Neue Medien in der Kultur und die Unterstützung von Programmkinos. Können wir auch im Saarland mit einer Erweiterung der Förderung rechnen?

Christine Streichert-Clivot: Mit dem Landes-Soforthilfeprogramm, der flexiblen Projektförderung, dem Stipendienprogramm und dem aufgestockten Ankaufetat für die Landeskunstsammlung haben wir im Saarland ein umfangreiches Unterstützungspaket für Kunst und Kultur geschnürt, um in der akuten Corona-Krise schnell zu helfen. Mit der schrittweisen Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens und vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Beschränkungen verändern sich auch die Unterstützungsbedarfe. Deshalb lade ich die Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter der saarländischen Kunst- und Kulturverbände und -einrichtungen im Juni zu einem Kulturgipfel ein. Da wird es genau um diese Fragen gehen.

Dock 11: Will das Saarland auch nach der Corona-Krise neue, innovative Wege in der Kulturpolitik und -förderung gehen?

Christine Streichert-Clivot: Leider habe ich keine Glaskugel. Wir alle können nicht sicher sagen, wie lange diese Krise andauern wird. Jetzt konzentriere ich mich darauf, die saarländische Kunst- und Kulturlandschaft dabei zu unterstützen, möglichst gut durch die Krise zu kommen. Eins ist aber sicher: In der Geschichte der Menschheit gab es viele Krisen. Die Kunstgeschichte hat manches eindrucksvoll festgehalten. Und auch Corona wird sich in der Kunst niederschlagen. Wie, das werden wir bald sehen.

Das Interview führte Rainer Hartz.

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