
Eine saarländische Delegation von Künstler:innen aus Comic, Graphic Novel, Illustration und Druckgrafik besuchte unter der Leitung von Berin Acici und Jonathan Kunz die Frankfurter Buchmesse und das Cozi-Festival.
TL;DR
Der Besuch einer Dock 11 Delegation führte vom internationalen Lizenzgeschäft im Comics Business Centre der Frankfurter Buchmesse zum ehrenamtlich organisierten Comic- und Zinefest Cozi.
Zwei Veranstaltungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb ein spannender und lehrreicher Doppelpack waren.Durch die Messe führte uns Charlotte Boschen, Key Account Managerin der Frankfurter Buchmesse. Erste Station war das Comics Business Centre. Neben den übervollen Publikumshallen wirkte es auf den ersten Blick fast verlassen. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen ist es ein Treffpunkt für Fachbesucher:innen und liegt bewusst abseits der Publikumsströme, damit man dort in Ruhe miteinander reden kann. Zum anderen waren wir an einem Samstag dort und das Wochenende ist für das breite Publikum vorgesehen, während Mittwoch und Donnerstag dem Fachpublikum vorbehalten sind. Ruhig heisst hier aber nicht tatenlos: Hier wird das eigentliche Geschäft gemacht, nämlich der Handel mit Buchlizenzen und Übersetzungsrechten. Für uns als Delegation gab es außerdem Grußworte von Vertreter:innen aus Frankreich, Uruguay und dem diesjährigen Gastland Tschechien.

Weiter ging es durch die anderen Hallen. Unser Versuch, die Gemeinschaftsausstellung „Comics, Manga und Games” zu besuchen, scheiterte allerdings: Vor lauter Menschen war schlicht kein Durchkommen und man kam (besonders als Gruppe) einfach nicht durch die Menschenmassen hindurch. Auch der zweite und dritte Anlauf nach der Führung blieben erfolglos. Für uns war das bedauerlich, aber eine eindrucksvolle Demonstration, wie groß die Anziehungskraft des Mediums inzwischen ist. Ob es später geklappt hätte, werden wir nie erfahren. Nachdem wir die Schwerpunkte der anderen Hallen ausgiebig begutachtet hatten, zog es uns nämlich weiter zum off-festival Cozi.

Ein off-festival kann man sich vorstellen wie einen Putzfisch, der seinen Lebensraum neben einen großen Wal legt. Es findet zeitgleich zu einer publikumsstarken Messe statt, profitiert von deren Sogwirkung und schafft Synergieeffekte. Cozi steht für Comic- und Zinefest Frankfurt und widmet sich künstlerischen Arbeiten aus Comic, Graphic Novel, Manga und Illustration. Es besteht seit 2018 und hat seitdem bis auf zwei Ausnahmen jedes Jahr stattgefunden. Die Finanzierung ist jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung und konnte diesmal nur dank einer Crowdfunding-Kampagne gestemmt werden. Das Organisationsteam arbeitet komplett ehrenamtlich und sämtliche Einnahmen gehen an die Künstler:innen, die Lesungen veranstalten oder Ausstellungen aufbauen.
Künstlerisch kam das Festival bunt, fast schon schrill und sehr vielfältig daher. Neben diversen Printprodukten wurden auch T-Shirts, Taschen und sogar selbstgestaltete Fußballschals angeboten. Und dann gab es noch eine Wiedersehensfreude: Der Saarländer Eric Schwarz, 2024 Finalist des Dock 11 Comic Award, betreute dort einen eigenen Stand. Auch andere bekannte Gesichter fand man schnell, wie beispielsweise Dr. Julia Schneider, die im vergangenen Jahr beim 24h-Comicmarathon einen spannenden Vortrag über KI gehalten hatte.

Wir fuhren mit vielen Eindrücken zurück ins Saarland. Von einer riesigen internationalen Messe, von einem kleinen, persönlichen Kunstfestival und mit dem schönen Gefühl, auch in Frankfurt unter Bekannten gewesen zu sein. Das bestätigte übrigens die Einschätzung von Charlotte Boschen, die in einem Interview sagte, dass Comics mehr sind als ein Markt, „Sie sind auch eine Gemeinschaft.”

