TL;DR

Mit dem Dock 11 Lab eröffnen wir einen neuen Raum für Visuelle Kommunikation. Er richtet sich an kreativen Nachwuchs, der hier Kleinstserien und Prototypen in einer Umgebung entwickeln kann, die den Einstieg in den Markt ermöglicht und aktiv begleitet.

Im Interview:
Berin Acici, Leiterin Dock 11 Lab
Lars Potyka, Projektleiter Dock 11

Dock 11: Hallo Berin! Du stellst unseren Leser:innen heute das neue Dock 11 Lab für Visuelle Kommunikation und dich als dessen Leiterin vor. Erzähl uns doch zu Beginn etwas über dich: Wer bist du und wie bist du zur Risographie gekommen – welche Erfahrungen bringst du als Illustratorin und Werkstattleiterin ins Dock 11 Lab ein?

Berin: Ich bin Berin, auch bekannt als Little b., Illustratorin und Werkstattleiterin im Dock 11 Lab für Visuelle Kommunikation. Seit insgesamt drei Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Risographie und habe auch meinen Master an der HBKsaar inhaltlich auf diese Drucktechnik fokussiert. Dafür habe ich ein visuelles Konzept der ersten Risodruckerei im Saarland erarbeitet. Durch meine Arbeit als Illustratorin und meine Erfahrung als Hiwi in der Druckwerkstatt an der HBK bringe ich sowohl eine gestalterische als auch eine produktionsorientierte Perspektive ins Dock 11 Lab ein.

Dock 11: Was ist das Dock 11 Lab und welche Rolle spielt es als Produktions- und Entwicklungsort für kreativen Nachwuchs?

Im Mittelpunkt steht die praktische Erprobung.

Berin: Das Dock 11 Lab ist ein Produktions- und Entwicklungsort, an dem kreativer Nachwuchs Kleinstserien und Prototypen entwickeln kann, um erste Schritte am Markt zu machen. Im Mittelpunkt steht die praktische Erprobung: Junge Gestalter:innen, Illustrator:innen und Comic-Künstler:innen produzieren reale Publikationen, testen Formate, kalkulieren Auflagen und bringen ihre Arbeiten erstmals in den Umlauf. Das Lab schafft eine Infrastruktur, in der Ideen nicht nur entstehen, sondern in marktfähige Produkte übersetzt werden. Und zwar von der ersten Auflage bis zur Präsentation und Distribution. So verbindet das Dock 11 Lab gestalterische Praxis mit wirtschaftlicher Selbstständigkeit und ermöglicht einen realistischen, niedrigschwelligen Einstieg in professionelle Arbeitszusammenhänge der Kultur- und Kreativlandschaft.

Dock 11: Welche technische Ausstattung und welche Formen der Unterstützung finden junge Kreative im Dock 11 Lab und warum ist das gerade für den Einstieg in professionelle Arbeitszusammenhänge wertvoll?

Berin: Für die eigene Produktion steht im Dock 11 Lab eine große Bandbreite an Maschinen und Werkzeugen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem ein Risograph für experimentelle und hochwertige Drucke, A3-Farbdrucker, A3-Scanner zum Digitalisieren von analogen Arbeiten, ein CO₂-Laser, 3D-Drucker, Plotter sowie eine Auswahl an Buchbindematerial. Diese technische Ausstattung ermöglicht es, analoge und digitale Arbeitsweisen miteinander zu verbinden und neue Ausdrucksformen auszuprobieren. Gerade für den Einstieg in professionelle Arbeitszusammenhänge ist das wertvoll, weil viele dieser Maschinen privat kaum zugänglich oder sehr kostenintensiv wären. Zumal auch einem die Möglichkeit gegeben wird, Fehler zu machen und sich und die eigene Arbeit nach und nach weiterzuentwickeln.

Für die eigene Produktion steht eine große Bandbreite an Maschinen und Werkzeugen zur Verfügung.

Dock 11: Was genau ist Risographie und warum eignet sich diese Drucktechnik besonders gut für Kommunikationsdesign, Illustration und andere kreative Arbeiten?

Berin: Die Risographie ist eine Drucktechnik, die in den 1980er Jahren in Japan entwickelt wurde und Elemente des Sieb- und Digitaldrucks kombiniert. Gedruckt wird schrittweise mit separaten Farbtrommeln, wodurch intensive Farben, spannende Überlagerungen und eine charakteristische Textur entstehen. Ursprünglich wurde der Risograph in Schulen und Büros genutzt, später entdeckte die Kreativszene ihn für sich. Heute findet man ihn vor allem in Illustrationen, Comics, Plakaten, Zines, Flyern, Verpackungen und Druckgrafiken. Wirtschaftlich eignet sich die Technik besonders für kleine bis mittlere Auflagen, zudem ist sie vergleichsweise umweltfreundlich: Die Farben enthalten eine Sojabasis, die Masterfolie besteht aus natürlichen Materialien wie Hanf- und Bananenblattfasern. Kleine Unregelmäßigkeiten, körnige Oberflächen und leichte Farbverschiebungen sind typisch für Riso-Drucke und machen ihren besonderen gestalterischen Reiz aus.

Dock 11: Welche Rolle spielt das Dock 11 Lab als Brücke zwischen Studium und professioneller Praxis und wie unterstützt du konkret dabei, dass Nutzer:innen neue Techniken lernen, experimentieren und sich mit anderen Kreativen vernetzen können?

Das Dock 11 Lab schließt die Lücke zwischen Studium und freier künstlerischer Praxis.

Berin: Das Dock 11 Lab schließt diese Lücke zwischen Studium und freier künstlerischer Praxis, weil es Raum zum Experimentieren, Lernen, Scheitern und Weiterentwickeln bietet. Durch Workshops, Mentoring, gemeinsame Projekte und den Austausch mit anderen Kreativen entsteht eine offene, unterstützende Umgebung, in der Wissen geteilt und Netzwerke aufgebaut werden. Ich unterstütze Nutzer:innen dabei, neue Techniken kennenzulernen, ihre Ideen praktisch umzusetzen und Projekte gemeinsam wirtschaftlich weiterzuentwickeln. So wird das Dock 11 Lab zu einer Brücke zwischen Ausbildung und professioneller Praxis und zu einem wichtigen Freiraum für die lokale Kreativszene.

Zum Schluss möchten wir unseren Projektleiter Lars noch zu Wort kommen lassen.

Dock 11: Lars, wie passt sich das neue Dock 11 Lab in das breit gefächerte Professionalisierungsangebot von Dock 11 als der Kreativwirtschaftsförderung des Saarlandes ein?  

Lars: Im Saarland gibt es gerade im Bereich der Visuellen Kommunikation sehr gut ausgebildeten Nachwuchs. In Abschlussarbeiten und -projekten steckt oft über Monate hinweg enorme Leidenschaft, Zeit und gestalterische Qualität. Nach dem Studium verschwinden diese Arbeiten jedoch häufig schnell in Kellern oder Garagen.

Ziel ist es, die Projekte schrittweise wirtschaftlich zu professionalisieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem Kreative lernen, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen.

Nach dem Abschluss stehen viele vor zwei Optionen: eine Festanstellung oder die Selbstständigkeit. Für eine Festanstellung müssen viele das Saarland verlassen und in größere Medienstandorte ziehen. Der Weg in die Selbstständigkeit scheitert dagegen oft nicht an der gestalterischen Qualität, sondern am fehlenden wirtschaftlichen Selbstvertrauen und Know-how.

Genau hier setzt das Dock 11 Lab an. Wir wollen dem Nachwuchs ermöglichen, sich nach dem Studium noch gezielt mit ihren Abschlussprojekten auseinanderzusetzen und diese unter realen Bedingungen weiterzuentwickeln. Ziel ist es, die Projekte schrittweise wirtschaftlich zu professionalisieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem Kreative lernen, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen.

Langfristig stärkt das ein kreatives Ökosystem im Saarland, das Absolvent:innen nicht nur ausbildet, sondern ihnen auch reale Perspektiven bietet, hier zu bleiben und eigenständig zu wirtschaften.


Alle weiteren Infos zum Dock 11 Lab findet ihr hier: