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da-da-da | Netzwerkevents aus der Branche für die Branche

da-da-da | Netzwerkevents aus der Branche für die Branche
Foto: Layla Baraké

Netzwerkveranstaltungen gehören in sämtlichen Branchen zum grundlegenden Handwerkszeug der Wirtschaftsförderung. Sie sind auch für uns das beste Mittel, um direkt in die Branchen hinein zu hören, unsere Perspektive zu erweitern, unser eigenes Netzwerk zu intensivieren und zu vergrößern und vor allem in freundlicher Atmosphäre Zeit mit interessanten Menschen zu verbringen. Mit viel Leidenschaft veranstalten wir daher unsere Netzwerkveranstaltungen und Branchenevents, wie beispielsweise Content & Crémant. Dabei stehen der thematische Austausch mit Menschen aus der gleichen, aber auch aus benachbarten Branchen im Vordergrund. Egal, ob man alte Bekannte wieder trifft oder neue Kontakte knüpft: Der Blick von außen eröffnet einem selbst neue Perspektiven, liefert Inspiration, bietet Möglichkeiten zu neuen Kooperationen oder vermittelt neue hochwertige Praktiken.
Neben den institutionell organisierten Events gibt es aber auch selbst initiierte Veranstaltungen, aus der Branche für die Branche. Diese glänzen aufgrund ihrer enormen Authentizität und ihrem informellen Netzwerkcharakter. Damit locken sie auch die Brancheninsider an, die sich von den traditionellen Netzwerkveranstaltungen eher weniger angesprochen fühlen.
In Saarbrücken hat sich in dieser Beziehung das Trio
MM, M hervorgetan. Ihre Veranstaltungsreihe da-da-da geht am 19. Juli bereits in die 12. Runde. Was die Veranstaltung so besonders macht und was es mit ihrem Namen auf sich hat, erklärten uns die drei im Dock 11-Interview.


Dock11: MM, M, ihr betreibt zu dritt ein Saarbrücker Atelier für Grafik und Konzept. Wer steckt hinter den drei M und wie habt ihr denn zueinander gefunden?

MM, M: Wir — Martha Bayer, Muriel Serf und Manuel Wesely — haben uns im Studium kennengelernt und schon früh damit begonnen, gemeinsam an grafischen Projekten zu arbeiten. Nach dem Diplom wurde der Projektraum an unserer Hochschule rasch zu klein, sodass wir uns nach einem eigenen Atelier umgeschaut haben. Daraus ist im Oktober 2015 MM, M entstanden. Seither arbeiten wir zusammen an besonderen Ideen und Konzepten für Kunden aus Kultur und Wirtschaft. Unter anderem entwerfen wir Plakatkonzepte, Kunstkataloge, Tonträger, Webseiten und Bücher. Mit der Zeit ist auch ein Beratungsaspekt ins Spiel gekommen, den wir in Zukunft ausbauen möchten, um im Dialog mit unseren Auftraggebern und Partnern spannende Projekte zu realisieren. 

Wir gestalten für jede Veranstaltung eine individuelle Identität.

Dock11: Am 19. Juli steht die bereits 12. Ausgabe eures Netzwerkevents da-da-da an. Wie kamt ihr auf die Idee, dieses Format in euren Büroräumen zu realisieren?

MM, M: Schon vor der Gründung haben wir uns überlegt, auf welche Art wir in Zukunft zusammenarbeiten möchten und wie wir uns lokal positionieren wollen. Uns gefiel die Idee, den Alltag im Atelier aufzubrechen und den Begriff Büro für uns neu zu denken. Was macht für uns ein Designbüro aus? Daraus entstand unser Format: Aus einem Büroraum wird eine Galerie, Menschen treffen sich drinnen wie draußen und junge Künstler*innen oder Designer*innen erhalten die Chance, sich und ihre Arbeiten in einem neuen Kontext zu präsentieren und sich zu vernetzen. Das tut allen gut, unserer Szene vor Ort und unserem Büro selbst. 

Uns gefiel die Idee, den Begriff Büro für uns neu zu denken.

Dock11: Der Blick auf das bisherige Programm von da-da-da, lässt eine enorme Bandbreite erkennen: Von interaktiver Kunst, die vorbeigehende Passanten einbindet, über Illustrationen bis hin zu Klangkunst oder akustischen Installationen, die eure Schaufensterscheibe als Resonanzkörper nutzen. Nach welchen Kriterien sucht ihr die Akteure für die Ausstellungsreihe aus? Sollen die Arbeiten ein Stück weit auch bestimmte Arbeitsmethoden widerspiegeln?

MM, M: Natürlich. Wir versuchen aber auch, das Programm möglichst divers zu halten und bewusst Leute zu involvieren, deren Arbeiten und Kompetenzen sich von unseren unterscheiden. Ein gemeinsamer Nenner der bisherigen da-da-daisten und ihrer Arbeiten im Schaufenster ist, dass sie alle den Raum zwischen drinnen und draußen einbezogen haben. Sei es durch eine akustische Intervention von innen nach außen (da-da-da #11: to do, to ear), den von dir angesprochenen „Passanten-Sensor“ (da-da-da #5: Kontemporäre Fakten) oder eine illustrative Arbeit, die mit der Dicke der Glasscheibe spielt und im Vorbeigehen optische Täuschungen produziert hat (da-da-da #8: Fata Morgana). Recherche, Kontext, Um-die-Ecke-denken — das sind Arbeitsmethoden, die wir auch beim Entwickeln unserer Konzepte anwenden. 

Nach der ersten Besprechung denken wir meistens »Klingt gut, leg mal los!«.

Dock11: Wie stark werden die Inhalte denn von euch kuratiert? Seid ihr in irgendeiner Form in den Gestaltungsprozess eingebunden oder lasst ihr den ausstellenden Künstlern und Designern dabei vollkommen freie Hand? 

MM, M: Die Ausstellenden haben komplett freie Hand. Wir beraten, wenn wir aus Erfahrung sagen können, dass auf der Schaufensterscheibe manche Medien besser funktionieren, als andere. In elf Episoden haben wir schon mit den verschiedensten Materialien auf der Glasscheibe gearbeitet. Zum Beispiel mit Gaffa Tape: Das hält bombenfest, lässt sich aber nur mit großem Aufwand wieder entfernen. Das kommt uns nicht mehr an die Scheibe.
Es ist auch schon vorgekommen, dass wir eine besondere organisatorische Rolle übernommen haben: Als bei da-da-da #2: Guess who’s dropped in for a bite ein James-Bond-Film im Schaufenster lief haben wir acht Screenings angepeilt, zu denen natürlich immer ein M den Filmvorführer mimen musste. Oder als wir bei Peter Strickmanns akustischer Intervention selbst Teil der Installation waren: Da besprechen wir uns selbstverständlich mit den Künstler*innen/Designer*innen und bringen ein, was wir können.
Wir haben dabei das große Glück, dass unsere Ausstellenden — wie in der vorherigen Frage schon angesprochen — konzeptuell ähnlich ticken, wie wir. Nach der ersten Besprechung denken wir meistens »Klingt gut, leg mal los!«.

Es ist wunderbar Menschen zusammenzubringen, die sich möglicherweise nie getroffen hätten.

Dock11: Zu den da-da-da-Events kommen jede Menge Akteure aus den saarländischen Kreativbranchen zusammen. Habt ihr persönlich dementsprechend auch einen verstärkten Netzwerkeffekt, ausgehend von der Veranstaltung, wahrnehmen können? 

MM,M: Bestimmt. Gerade aus der Diversität unserer Kollaborateur*innen heraus mischt sich die Gruppe jedes Mal neu. Zum Jazzkonzert, das im Rahmen von Peter Strickmanns Ausstellung im vergangenen Februar stattfand, haben uns Leute besucht, die wir noch nie zuvor gesehen haben. Es ist wunderbar, auf diese Weise neue Kontakte zu knüpfen und Menschen zusammenzubringen, die sich vorher noch nicht gekannt haben und möglicherweise auch nie getroffen hätten. Diesen Effekt beobachten wir häufig. 

Das tut allen gut, unserer Szene vor Ort und unserem Büro selbst. 

Dock11: Manche Ausgaben von da-da-da haben ja auch – zumindest in der Vorbereitungsphase – einen kollaborativen Charakter. Habt ihr aus den Kontakten mit den da-da-da Partnern auch Inspiration für euer eigenes Arbeiten ziehen können? 

MM,M: In der Vergangenheit haben wir mit vielen Künstler*innen, die in da-da-da involviert waren, auch professionell zusammengearbeitet. Für Peter Strickmanns Tonträger entwickeln wir seit vielen Jahren visuelle Konzepte; gemeinsam mit Martina Wegener, Frédéric Ehlers und deren Kolleg*innen haben wir schon etliche Kataloge gestaltet. Da-da-da ist auch eine Plattform, die für unsere eigene Arbeit relevant ist. Wir gestalten für jede Veranstaltung eine individuelle Identität. Wir haben hier also die Möglichkeit, zwischendurch komplett frei zu entwerfen. Wenn sich im Anschluss eine stete Kollaboration daraus entwickelt, sind alle glücklich.

Unsere Veranstaltungsreihe soll die lokale Szene beleben.

Dock 11: Bei da-da-da #12 ist der heimliche Star das Axiom, beschrieben als »ein Kunst produzierender Algorithmus, der die Blaupause eines vierdimensionalen Objekts als zweidimensionales Schattenbild auf die Glasfront des MM, M Büros wirft.«
Was genau können wir uns denn darunter vorstellen?

MM,M:  Ein Ritual. Einen meditativen Prozess. Eine unüberschaubare Menge von white concave-sided diamonds (U-27E1) — das ist ein besonderes Zeichen aus dem Unicode (). Typografie trifft Vandalismus. Mehr können wir leider nicht verraten – ihr müsst einfach alle vorbeikommen!
Dieses Mal ist da-da-da ein Teil der Veranstaltung Nacht der schönen Künste in Saarbrücken. Das heißt, ihr könnt neben unserer Vernissage den ganzen Abend über in viele andere Ateliers hineinschauen.

Auch auf nationaler oder gar internationaler Ebene nach Inspiration suchen. 

Dock11: Wenn ihr euch für da-da-da etwas wünschen dürftet, wo sollte denn die Reise dann hingehen? In welche Richtung soll sich das Format in Zukunft entwickeln? Wen möchtet ihr gerne stärker integrieren? Welche Besuchergruppe würdet ihr gerne häufiger auf den Veranstaltungen sehen?

MM,M: Wir wünschen uns, in Zukunft noch mehr über den Tellerrand zu blicken und auch Künstler*innen und Designer*innen einzuladen, die eine weitere Anfahrt vor sich haben. Unsere Veranstaltungsreihe soll die lokale Szene beleben, aber da darf es nicht ausbleiben, sich auch Inspiration auf nationaler oder gar internationaler Ebene zu suchen. Wir möchten immer offen bleiben für neue Ideen und es wäre schön, wenn unsere Besucher*innen diese auch bei uns fänden. Um das zu erreichen und um die Veranstaltungsreihe weiter auszubauen, freuen wir uns über jede Unterstützung.
Gut gefallen würde uns auch, wenn wir uns noch stärker als Schnittstelle zwischen visueller, akustischer und darstellender Kunst etablieren können: Performative Ideen, begleitende Konzerte und Gänsehautmomente für alle – auch für Kolleg*innen aus ganz anderen Bereichen. Das macht zwar viel Arbeit, uns aber auch viel Freude. 

 

Das Interview führte Matthias Schmitt

 

Die Eröffnung von Da-Da-Da #12 findet am 19. Juli im MM,M-Büro statt.
Axiom ist zu sehen bis zum 15. August 2019.
https://dadada.mmm.do/

Großherzog-Friedrich-Straße 58; 66121 Saarbrücken statt