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Best Practice

»Atmosphäre-Check« Dock 11 Interview

»Atmosphäre-Check« Dock 11 Interview

Im Rahmen des Modellprojektes »Atmosphäre-Check« werden verschiedene Gemeinden des Saarlandes auf ihre Atmosphäre, Ambiente und Baukultur überprüft, um auf das Thema Attraktivität der Orte aktiv einzuwirken. Dazu hat FUTOUR ein Konzept – frei nach dem Motto: »Atmosphäre ist nicht alles, aber ohne Atmosphäre ist alles nichts!« – entwickelt, um eine Weiterentwicklung dieser Themenfelder für die Gemeinden handhabbar zu machen. Nach mehreren Experten-Workshop sowie Ortsbegehungen und der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen entstanden nun erste Projektideen:
In den fünf Ortsteilen der Gemeinde Kleinblittersdorf entstand im Anschluss daran der Wunsch, die Ortseingänge als Zeichen der Zusammengehörigkeit mit einem einheitlichen Gestaltungselement zu versehen. Die Gemeinde ist daher nun auf der Suche nach Expertise aus der saarländischen Kreativwirtschaft. Um was genau es dabei geht und warum es sich für euch lohnt, euch beim »Atmosphäre-Check« einzubringen, erfragten wir bei Thomas Unold vom Fachdienst Regionalentwicklung des Regionalverbandes Saarbrücken.


Dock 11: Guten Tag Herr Unold! Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um mit uns über das Projekt Atmosphäre Check zu reden und darüber, welche Potenziale darin auch für die Kreativwirtschaft im Saarland schlummern! Um was geht es bei dem Projekt »Atmosphäre-Check«?

Thomas Unold: Eines der übergeordneten Handlungsfelder der Tourismuskonzeption Saarland 2025 ist die »Aufwertung der Ortsbilder« im Saarland. Attraktive Ortsbilder und lebendige Innenstädte sind die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Tourismusangebot und eine hohe Gästezufriedenheit. Zudem sind attraktiv gestaltete Ortsbilder in hohem Maße identitätsstiftend und tragen zu einem lebenswerten Umfeld bei. Im Saarland gibt es vielerorts noch Verbesserungsbedarf. Mit der Richtlinie zur Aufwertung der Ortsbilder saarländischer Kommunen bietet die Landesregierung im Einklang mit der Tourismuskonzeption des Landes die Möglichkeit einer gezielten Förderung von Maßnahmen der Ortsbildverbesserung im niederschwelligen Bereich. Fördervoraussetzung sind die Durchführung eines sogenannte Atmosphäre-Checks und eines Experten-Workshops. 

Kleinblittersdorf wurde einem Atmosphäre-Check unterzogen

Das Münchner Beratungsunternehmen FUTOUR Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung GmbH hat im März 2020 im Beisein weiterer Gemeindevertreter die fünf Ortsteile der Gemeinde Kleinblittersdorf einem Atmosphäre-Check unterzogen und dabei quasi mit dem Blick von außen Atmosphäre-Träger genauso wie Atmosphäre-Killer identifiziert. Die Ergebnisse der Begehung sowie die spezifischen Befunde sind in einem Bericht festgehalten. Für den geforderten Experten-Workshop wurden darüber hinaus Best-Practice-Beispiele und mögliche Lösungsvorschläge für die spezifischen Fragestellungen herausgearbeitet.

Dock 11: Atmosphäre und Ambiente sind ja im Grunde sehr subjektive Wahrnehmungen. Brachten Ihnen die Workshops zur Thematik hierzu neue Einblicke? Wie kann man diese Wahrnehmungen vielleicht auch konkret fassen?

Thomas Unold: Atmosphäre, Attraktivität, Ambiente und Baukultur sind wichtige Themen nicht nur für unsere saarländischen Orte. Insgesamt hinterließen die fünf Gemeindeteile einen guten Eindruck. Zur Verstärkung dieses positiven Gesamteindruck empfehlen die Experten, u.a. Bereiche an der Freundschaftsbrücke zwischen Grosbliederstroff und Kleinblittersdorf (Geländer, Blumenschmuck, Betonringe, allgemeiner Pflegezustand etc.) sowie Flächen der ehemaligen Zollanlage als Eingangstor von Frankreich nach Deutschland (störende Werbebanner, leerstehende Imbissbude etc.) aufzuwerten.

Es wurden Atmosphäre-Träger aber auch Atmosphäre-Killer identifiziert

Dock 11: Ortseingänge gelten als die Visitenkarten der Gemeinden. Die Neugestaltung soll die speziellen Charaktere der einzelnen Gemeindebezirke widerspiegeln, aber gleichzeitig auch ihren Gemeinsamkeiten Ausdruck verleihen. Welche Gemeinsamkeiten kommen Ihnen persönlich denn zuerst in den Sinn, wenn Sie an die fünf Ortsteile denken?

Thomas Unold: Von allen Teilnehmern des Experten-Workshops wurde als ortsteil-übergreifendes Schwerpunktprojekt die Gestaltung der Ortseingangssituationen priorisiert. Dadurch sollen der Wiedererkennungswert der Gemeinde und die Zusammengehörigkeit der einzelnen Ortsteile in den Vordergrund gerückt werden. Gemeinsamkeiten sehe ich z.B. bei:

  • Wasser: Die Gemeinde Kleinblittersdorf mit ihren fünf Ortsteilen liegt eingebettet zwischen Blies und Saar im äußersten Südosten des Regionalverbandes. Alle Ortsteile haben Zugang zu einem der beiden Flüsse, die Ortsteile Rilchingen-Hanweiler und Auersmacher sogar zu Blies und zu Saar
  • Grenzlage: Die Gemeinde Kleinblittersdorf ragt wie eine Landzunge nach Frankreich hinein. Insgesamt sechs Brücken verbinden Deutschland mit Frankreich. Alle Ortsteile haben Anteil an der Grenze.
  • UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau: Die Gemeinde Kleinblittersdorf bildet das südwestliche Tor zur Biosphäre Bliesgau. Zu den prägenden Landschaftselementen des Biosphärenreservates zählen u.a. ausgedehnte Streuobst- und artenreiche Orchideenwiesen. Landschaftselemente, für die insbesondere auch die Gemeinde Kleinblittersdorf steht.

Ziel ist es, eine künstlerische Arbeit zu realisieren, die sichtbarer Ausdruck der Zusammengehörigkeit der fünf Ortsteile ist.

Dock 11: Und diese Gemeinsamkeiten sollen sich dann letzten Endes auch in den am Ende umgesetzten Ideen widerspiegeln?

Thomas Unold: Genau. Über das Programm können neben Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Bepflanzungen mit regionaltypischen Arten auch Maßnahmen zur Verbesserung der Ortseingänge-/Empfangssituation gefördert werden. Konkret können hierbei Planungskosten, kleinere Maßnahmen, Mobiliar und sonstige Materialkosten übernommen werden. Und hier setzt die Idee der Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher ein: Ziel ist es, eine künstlerische Arbeit zu realisieren, die sichtbarer Ausdruck der Zusammengehörigkeit der fünf Ortsteile ist. Gesucht wird eine künstlerische Arbeit aus den Bereichen Objektkunst, Bildhauerei, installative Kunst oder Landart. Die entstehende Arbeit muss dauerhaft präsent sein.

Dock 11: Was haben die Kreativen im Saarland davon, jetzt ihre Ideen einzubringen?

Gemeinsamkeiten: Wasser, Grenzlage und Biosphäre

Thomas Unold: Ein Wettbewerb kann nach den »Richtlinien zur Aufwertung der Ortsbilder saarländischer Kommunen« leider nicht gefördert werden. Insofern suchen wir zunächst Kreative mit Interesse an dieser Aufgabenstellung, die ihre Ideen- und Konzeptskizzen bei der Gemeinde Kleinblittersdorf einreichen. Aus den eingereichten Entwürfen wählt Bürgermeister Lang gemeinsam mit den fünf Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher eine künstlerische Arbeit zur Realisierung aus.

Dock 11:  Wie könnten diese Ideen dann umgesetzt werden und welche Mittel stehen hierzu zur Verfügung?

Thomas Unold: Für die Realisierung der künstlerischen Arbeit einschließlich des Honorars stehen in einem ersten Schritt insgesamt 10.000 Euro zur Verfügung. Mit dem zur Verfügung gestellten Budget müssen alle anfallenden Kosten der Erstellung der künstlerischen Arbeit abgedeckt werden.

Dock 11: Bis wann können sich Kreativwirtschaftler aus dem Saarland mit ihren Ideen zum Thema »Atmosphäre-Check« beim Regionalverband Saarbrücken melden und bis wann sollen die Ideen umgesetzt werden?

Thomas Unold: Die Förderanträge der Kommunen für Projekte zur Aufwertung der Ortsbilder können noch bis 30. Juni 2021 beim Wirtschaftsministerium gestellt werden. Demnach müssen Projektideen deutlich früher, bis 31. März 2021, gemeldet werden.

Die Kreativwirtschaft zählt mit zu den Wirtschaftsfaktoren im ländlichen Raum

Dock 11: Generell ist in Deutschland die Kreativwirtschaft sehr stark im urbanen Raum und dessen Peripherie angesiedelt. Denken Sie, ein solches Projekt wie »Atmosphäre-Check« kann einen gewissen Kompetenztransfer von städtischen in die ländlichen Räume mit antreiben?

Thomas Unold: Die Kreativwirtschaft zählt m.E. bereits heute mit zu den Wirtschaftsfaktoren im ländlichen Raum. Vielleicht wird den Kreativbranchen bislang nur noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich denke dabei an Agenturen im Bereich Werbung, an die Verknüpfung von Handwerk, Kunst und Design und an Architekten. Insofern scheint mir das Projekt durchaus geeignet.

Dock 11: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben unsere Fragen zu beantworten! Wir hoffen auf reichlich Reaktionen auf dieses schöne Projekt!

Solltet Ihr euch mit euren Ideen bei »Atmosphäre-Check« einbringen wollen, dann wendet euch an:

Thomas Unold
Regionalverband Saarbrücken
Fachdienst 60 – Regionalentwicklung und Planung
Fachdienstleiter
Postfach 103055
66030 Saarbrücken

 

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