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Fame allein bezahlt keine Miete – Verwertungsstrategien für Comic-Kunst

Fame allein bezahlt keine Miete – Verwertungsstrategien für Comic-Kunst
Foto: Rainer Hartz

Zwei der besten Comic Artists des Saarlandes begrüßte unsere Moderatorin Isabel Sonnabend vergangenen Donnerstag auf der Couch im lauschigen Jules Verne: Valérie Minelli, die als Mrs.Frollein feine Strips über das Beziehungsleben zeichnet, und Eric Schwarz, alias comicblues, der dem Hopeless Romantic ein Gesicht gab. Sie stellten ihre Arbeit vor und sprachen darüber, mit welchen Verwertungsstrategien sie als Comiczeichner Geld verdienen.


Gerappelt voll war es im Jules Verne schon lange vor Beginn von Content & Crémant Vol. 16 und die ersten Getränke waren bereits getrunken, als Valérie, Eric und Isabel auf der Bühne Platz nahmen. Die Learnings der ersten zehn Minuten: Beamer sind Mimosen und die Comics der beiden leben beide auf ihre Art von den Abenteuern derer, die sie zeichnen und von denen sie umgeben sind. Valéries Freund im Publikum versichert auf Nachfragen der Moderatorin wacker, dass es ihn gaaaar nicht stört, sein Beziehungsleben auf Instagram veröffentlicht zu sehen. Die Kunst ist immer, das wird hier schnell deutlich, aus den eigenen Erlebnissen das Allgemeingültige zu destillieren, mit dem das Publikum sich identifizieren und hinter dem die Künstlerpersönlichkeit selbst abtauchen kann. Das gelingt beiden bestens, so unterschiedlich sie auch sind. Davon konnten die Anwesenden sich bei den folgenden Lesungen überzeugen.

Die Kunst beim Comic ist, aus den eigenen Erlebnissen das Allgemeingültige zu destillieren

Eric Schwarz studierte Kommunikationsdesign in Saarbrücken und Brüssel und absolviert aktuell ein Meisterstudierendenstudium an der HBKsaar. Sein hoffnungsloser Romantiker ist ein Projekt, das vom Hobby zur Marke wurde. Voller Liebe ist er ständig auf der Suche nach einem Ziel für selbige, um ein Überlaufen zu verhindern. Die melancholischen und bisweilen zynischen Töne, die im Zwischenraum von Bild und Text und dem Vortrag entstehen und existieren, sorgen für Heiterkeit, die bisweilen schmerzt. Den Blues bekommt er buchstäblich in den blauen Leib gemalt und gewinnt damit gleichzeitig als @comicblues im Instagram-Feed einen enormen Wiedererkennungswert.
Auch Valérie ist nach dem Kommunikationsdesign-Studium nun Meisterstudierende an der HBKsaar und hat als @Mrs.Frollein hunderttausende Fans auf Instagram, die wöchentlich neue Geschichten von ihr erwarten. Ihre kurzen Storys muten auf den ersten Blick fröhlicher an. Mrs.Frollein, das Alter Ego Valéries, ist die Heldin ihrer Comics, die das Besondere im unglamourösen Alltag enthüllen und feiern. Oft sind es Momente der Geborgenheit, die die Rezipienten warm einhüllen, aber auch der Schmerz findet seinen Platz. Spätestens wenn der Hund nicht mehr da ist, um das heimkehrende Frollein zu begrüßen.

Von Followern alleine lässt sich schlecht leben.

Erfolgreich sind beide schon lange, wenn man ihre Fans auf Instagram als Maß hernimmt. Jedoch lässt sich von Followern alleine schlecht leben. Ihre Bücher haben beide dabei, allerdings weist Valérie darauf hin, dass sie damit nur einen Bruchteil ihres Unterhalts bestreiten kann. Sie schätzt den Beitrag der Bucherlöse zum Gesamteinkommen auf etwa 2 %. Doch wovon lebt sie, wenn die Bücher es nicht sind? Valérie gibt Workshops, vornehmlich im Saarland und in Luxemburg, weil sich da die Kosten für Reise und Unterkunft in Grenzen halten. Über ihren Webshop vertreibt sie Drucke ihrer Comics, Merchandise Artikel mit ihren Helden und sogenannte Comissions. Mit diesen bietet sie ihren Fans die Möglichkeit, sich selbst und ihren Partner in deren Lieblingscomics von Mrs.Frollein zeichnen zu lassen. Die Fans stehen dafür Schlange! Darüber hinaus nimmt sie Auftragsarbeiten von Unternehmen an, für die sie Illustrationen zeichnet.

Instagram als Portfolio

Erics Strategie sieht ganz ähnlich aus. Er hat einen Teilzeitjob bei einem Start-up, der ihm Miete und den Grundunterhalt sichert. Dazu kommen auch bei ihm Auftragsarbeiten und Einnahmen über Merchartikel, die er über das Web vertreibt. Instagram sei eher wie ein gut gefülltes Portfolio, mit dem man Sichtbarkeit erlangt. Immerhin wurde auf diesem Weg ein Verlag auf Valérie aufmerksam, bei dem sie mittlerweile unter Vertrag steht. Es ist kein geradliniger Weg, den die zwei da empfehlen können. Sie fühlen sich beide Jonathan Kunz, ihrem Dozenten an der Hochschule und gleichzeitig Part von War And Peas, zu großem Dank verpflichtet. Um ihn und seine Kurse herum hat sich eine eigene Szene in Saarbrücken gebildet, in der sich alle kennen und gegenseitig unterstützen. Ein fruchtbarer Boden für Neueinsteiger, die Kontakt und Know-how suchen.

Sichtbarkeit ist der einzige Weg zu potenziellen Kunden

Darüber hinaus ist Valéries Tipp simpel: »Einfach zu allem mal ja sagen!«, und auch Erics Empfehlung lautet: »Machen, machen, machen und teilen, teilen, teilen!« Denn Sichtbarkeit ist der einzige Weg, über den man in das Bewusstsein potenzieller Kunden und Auftraggeber gelangen kann.
Wenn ihr mehr über Valérie und Eric erfahren wollt, besucht ihre Websites oder schaut euch ihre Arbeiten auf Instagram unter @Mrs.Frollein und @comicblues an.

 

Tanja Begon

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