Zur Registrierung | Passwort vergessen?

Features

Kultur- und Kreativpiloten

Kultur- und Kreativpiloten
Foto: William Veder

Zum mittlerweile 10. Mal sucht die Bundesregierung beim Wettbewerb Kultur- und Kreativpiloten die besten Unternehmensideen aus der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft. Noch bis zum 30. Juni können sich Unternehmerinnen und Unternehmer, Start-ups, Selbständige, Gründerinnen und Gründer, aber auch Projektteams mit ihrer Idee bewerben. Wir wollten wissen, was eine Teilnahme bringt, und haben Nikolas Feth, den Geschäftsführer von Okinlab, dazu befragt. Denn das saarländische Unternehmen hat mit seiner Software form.bar den Kultur- und Kreativpiloten 2015 gewonnen.

Dock 11: Hallo Nikolas, Ihr von Okinlab habt den Preis ja 2015 abgeräumt. Ausgezeichnet wurde damals eure Gestaltungssoftware form.bar. Was war das Neue an form.bar? Wo lag das innovative Potenzial?

Nikolas Feth: Form.bar steht – ich denke, das kann man ohne Übertreibung sagen – für eine neue Ära im Design und der Herstellung von Möbeln. Mit unserem in dieser Form weltweit immer noch einzigartigen 3D-Konfigurator kann sich jeder selbst online sein Lieblingsmöbel entwerfen. Das Coole dabei ist zum Beispiel, dass du jede Änderung des Designs sowie den exakten Preis in Echtzeit angezeigt bekommst. Außerdem sorgt ein Algorithmus dafür, dass das gewünschte Regal oder der neue Schrank immer gut und sehr natürlich aussehen. Form.bar ist aber noch mehr: Wir vernetzen die individuellen Wünsche der Kunden mit Schreinerbetrieben in ihrer direkten Nähe. Dort werden die Unikate dann kosteneffizient, materialschonend und klimafreundlich hergestellt, weil unter anderem lange Transportwege wegfallen und man keine Verpackung mehr braucht. Mit form.bar bieten wir wunderschöne Wunschmöbel zu fairen Preisen und machen kleine Schreiner wieder konkurrenzfähig. Damit zeigen wir die Chancen der Digitalisierung für das traditionelle Handwerk.

Dock 11: Ein Teil des Gewinns war ja auch bereits bei eurer Auszeichnung die Teilnahme an einem Mentoring-Programm. Wie hat sich das Programm für euch bezahlt gemacht?

Nikolas: Wir hatten zwei Mentoren, mit denen wir uns einige Male getroffen haben, und das hat uns auch wirklich etwas gebracht. Die waren sehr engagiert, haben sich richtig reingedacht, so wurde es immer ein fruchtbarer Austausch. Allein schon mit erfahrenen Leuten über seine Idee zu reden, hilft, weil einem bestimmte Dinge auffallen, an die man vorher nicht gedacht hat.

Dock 11: Was waren dabei die konkreten Mehrwerte, die ihr für Okinlab nutzen konntet?

Allein schon mit erfahrenen Leuten über seine Idee zu reden, hilft

Nikolas: Wir haben wertvollen Input bekommen von Menschen, die selbst schon Unternehmen aufgebaut haben. Von solchen Erfahrungen kann man im Detail extrem profitieren. Konkret erinnere ich mich zum Beispiel an einige Tipps, um unser Business für die Kunden noch attraktiver zu gestalten. Einer der Mentoren hatte da gute Anregungen aus einer anderen Branche.

Dock 11: Konntet ihr durch die Workshops, in denen ihr zusammen mit Change-Makern, Experten und anderen Kreativpiloten zusammengebracht wurdet, euer Business einen Schritt weiter bringen?

Nikolas: Vor allem bei der Preisverleihung in Berlin haben wir damals andere Kreative kennengelernt, konnten netzwerken. Das war oft inspirierend, teilweise haben uns Leute später auch in Saarbrücken besucht.

Dock 11:  Stichwort Netzwerk: Inwiefern nutzt ihr das Kreativpiloten-Netzwerk, zu dem ihr durch die Auszeichnung Zugang bekommen habt, denn noch heute?

Nikolas: Eigentlich noch zu wenig. Denn das Netzwerk hat großes Potenzial, weil dort viele coole Leute mit coolen Ideen versammelt sind, die auch wirklich was umsetzen wollen. Ich würde mich über ein jährliches Treffen freuen, vielleicht könnte man das mal organisieren. Nett wäre auch schon ein Online-Verteiler oder eine Gruppe bei Facebook oder so, dann könnte man sich noch enger austauschen und sich gegenseitig stärken.

Die Auszeichnung zu Kultur- und Kreativpiloten dient auch als wertvolle Plattform, um für das eigene Unternehmen zu werben.

Den Gewinnern des Wettbewerbs winkt neben viel Pu­b­li­ci­ty ein einjähriges Mentoring-Programm. Denn im Fokus des Kreativpiloten-Programms steht die individuelle Weiterentwicklung der Unternehmung. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Projekt noch ganz am Anfang steht oder bereits seit mehreren Jahren am Markt vertreten ist. In mehreren Workshops lernen die Kultur- und Kreativpiloten, wie sie ihre Position als Unternehmer stärken können.

90 Prozent aller bisher ausgezeichneten Unternehmen sind heute noch am Markt

90 Prozent aller bisher ausgezeichneten Unternehmen sind heute noch am Markt und profitieren langfristig von dem vielseitigen Unternehmer*innen-Netzwerk. So auch das saarländische Unternehmen Okinlab, das mit seiner Software form.bar zum individuellen Design von Möbeln im Jahr 2015 erstmals die Auszeichnung ins Saarland holte. Die Verbindung einer Software, mit der individuelle Möbel konfiguriert werden können, die dann in der lokalen Schreinerei gefertigt werden, überzeugt mit ihrem kreativen Ansatz, der traditionelles Handwerk weiter konkurrenzfähig hält. »Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird als Impulsgeberin immer wichtiger. Von den innovativen Geschäftsideen können vor allem auch andere Branchen profitieren. Die Auszeichnung als Kultur- und Kreativpilot ist ein tolles Aushängeschild für die Kreativbranche mit ihren zahlreichen Facetten. Sie dient auch als wertvolle Plattform, um für das eigene Unternehmen zu werben. Ich bin gespannt auf die diesjährigen Teilnehmerideen und hoffe, dass sich viele saarländische Unternehmen bewerben«, so Ministerin Anke Rehlinger.

Das Interview führte Matthias Schmitt.

Weitere Informationen und Anmeldung unter www.kultur-kreativpiloten.de.