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POPSCENE – Wie das Pocketmag die Krise meistert

POPSCENE – Wie das Pocketmag die Krise meistert

POPSCENE – das gratis Jugend- und Popkultur Magazin für Saarland, Trier, Luxemburg, Westpfalz und den Rest der Welt. Prall gefüllt mit Musik, Terminen, Interviews mit Stars & Sternchen und vielem mehr, was Popkultur in der Region ausmacht. Seit 2009 informiert das kultige Pocketmag jeden Monat ein junges Ausgehpublikum und Studierende über die angesagtesten Veranstaltungen und News ihrer Region. Natürlich leidet auch POPSCENE unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Doch statt sich zu ergeben, wartet die Institution POPSCENE derzeit mit jeder Menge neuer Ideen und Formaten auf. Neben einer Workshopreihe in Kooperation mit der Arbeitskammer und dem Poprat, startete kürzlich auch das POPSCENE Radio. Was es damit auf sich hat und welche Überraschungen POPSCENE sonst noch im Ärmel hat, erzählt uns Markus Brixius im Interview!

Dock 11: Hallo Markus, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns über eure aktuellen Aktivitäten zu reden! Ihr habt in dieser Woche einen eigenes Online-Radio ins Leben gerufen. Ist das ein Stück weit auch eine Reaktion auf die Einschnitte der Corona – Krise?

Markus Brixius: Jein. Die Idee trage ich schon sehr lange mit mir rum. POPSCENE Radio ist sozusagen das letzte Puzzlestück, das noch gefehlt hat, um die Medienmarke POPSCENE komplett zu machen. Leider gab es lange Zeit keine praktikable Lösung. Diese habe ich jetzt gefunden. Corona war insofern nicht ausschlaggebend, aber bestimmt ein Beschleuniger in dieser und anderen Fragen. Ich bin sicher, dass es vielen anderen Unternehmen auch so ging. Wichtig ist es, jede Krise – nach dem ersten Schock – auch immer als Chance zu begreifen, bei all den schlimmen Dingen, die wegen Corona passieren und passiert sind.

Das Printmagazin im Mediendschungel als USP

Dock 11: POPSCENE ist für mich als Leser ja kostenlos zugänglich, da ihr euch zu einem großen Teil über Anzeigenschaltungen finanziert. Inwieweit sind hier die Auswirkungen der Krise für euch spürbar?

Markus Brixius: Es ist auf jeden Fall mal eine Erfahrung wert, zu sehen, wie das eigene Geschäftsmodell innerhalb eines Tages in sich zusammen bricht. Als Magazin, das sich inhaltlich und werblich zu einem großen Teil im Kultur- und Veranstaltungsbereich bewegt, war der Lockdown ein bisschen wie der Gang zur Guillotine.
Die POPSCENE Printausgabe ist zwei Monate lang nicht erschienen – wir hätten sie auch nirgends verteilen können, da alle unsere Verteilstandorte geschlossen waren und auch ein Grenzübertritt nicht möglich war. Unabhängig von Verordnungen, sind wir sehr früh unserer Verantwortung gerecht geworden und haben uns entschieden, kurz vor dem Lockdown keine Printausgabe zu drucken und diese dann mit Kurieren an 500 Stellen in der Region auszuliefern. Zum Schutz unserer Mitarbeiter, aber auch zum Schutz unserer Partner.
Dafür konnten wir unseren Kunden ein starke E-Paper Ausgabe bieten. Schon seit knapp zwei Jahren geben wir im Bereich E-Publishing Gummi, was sich jetzt auch bewährt hat.

Es steckt also viel »E-« in unserer Notfallstrategie

Auch unsere Verlagsdienstleistungen wie Videoproduktionen und insbesondere natürlich Livestreaming waren noch funktionell und haben uns geholfen, die Zeit bis jetzt zu überbrücken. Darüber hinaus haben wir sehr früh einen Shop für Smart Distancing Produkte ins Leben gerufen, also kurzerhand unser Angebot um E-Commerce erweitert. Es steckt also viel »E-« in unserer Notfallstrategie.
Aber man muss auch ganz klar sagen: Die spannende und zugleich kritische Zeit steht uns jetzt noch bevor. Ohne Kohle geht es nicht. Und wie genau wir die nächsten 6 bis 8 Monate überbrücken sollen, bis der Kulturbetrieb vermeintlich wieder hochgefahren wird, ist mir aktuell noch ein Rätsel. POPSCENE ist zwar kostenlos zugänglich, aber nicht kostenlos in der Produktion.

Wir fühlen uns über die Regionalgrenzen hinaus dem gemeinsamen Handeln verpflichtet

Dock 11: Wie siehst du die Perspektiven für Printausgaben von Magazinformaten?

Markus Brixius: Mit gemischten Gefühlen. Natürlich hat Online jetzt gezeigt, was es kann. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wenn wir Geld und Aufwand in Facebook und Co stecken, wir damit ein Haus auf fremdem Grund bauen, auf dem die Spielregeln und am Ende auch die Miete ein anderer bestimmt. Zu guter Letzt bleibt dann kein Milchgeld mehr übrig, mit dem wir uns im Tante Emma Laden nebenan einen Drops kaufen können.
Insofern stellt unser Printmagazin im Mediendschungel immer noch ein USP dar. Zudem empfindet der Markt Print immer noch als hochwertiger als Online. Allerdings hat uns Corona auch hier die Grenzen gezeigt. Wenn es nun mal keine Läden gibt, wo man das Magazin auslegen kann oder Kunden nicht oder nur verhalten buchen, weil sie ihren Job nicht machen dürfen, dann wird es schnell eng. Schon vor Corona war ich darüber hinaus im Zuge der »Fridays For Future« Bewegung auf eine Papierdiskussion eingestellt.
Corona hat aber auch gezeigt, dass in Krisenzeiten die Menschen auf vertrauenswürdige Medien zurückgreifen, die dann auch ein gutes Werbeumfeld darstellen. Auch haben vor allem überregionale Nachrichtenmedien in Deutschland im Zuge der aktuellen Krise rund um das Corona-Virus Covid-19 neue Rekordwerte für ihre Digitalangebote aufgewiesen.

Corona hat gezeigt, dass in Krisenzeiten die Menschen auf vertrauenswürdige Medien zurückgreifen, die ein gutes Werbeumfeld darstellen.

Das gibt Hoffnung, aber nur, wenn es gelingt, dies auf unser Angebot zu übertragen, nämlich auf die Vermittlung von Kultur.
Was die Perspektiven angeht, kann ich nur sagen, dass ich definitiv eine sehe. Die besteht vor allem darin, dass wir unsere Arbeit fortsetzen können und zwar als eine unabhängige Medienmarke, die nun schon seit über zehn Jahren Kultur vermittelt, sie fördert und auch noch Teil davon ist. Mit unserer überregionalen Strahlkraft sind wir überdies durch unsere überregionale Erscheinungsweise auch Saarlandbotschafter und leben den Gedanken der Großregion schon seit der ersten Ausgabe 2009.
Nicht zu vergessen: Wir sind auch Arbeitgeber für einen Haufen engagierter Menschen und sind und waren schon für ganz viele junge Leute ein Sprungbrett in die Medienwelt. Wir sind Impulsgeber und Netzwerker. Im Saarland steckt sehr viel POPSCENE drin, wo man es vielleicht auch gar nicht erwarten würde. Für diese Perspektive kämpfe ich. Ob das am Ende auf Papier oder wo auch immer stattfindet, werden wir sehen. Für uns ist es wichtig, dass unsere Partner auch den Mut haben, mit uns neue Wege zu gehen und auch offen für neue Formate sind.

Dock 11: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Arbeitskammer des Saarlandes und wird es auch zukünftig solche Kooperationen geben? Worin siehst du dabei wichtige Synergien für die AK, euer Magazin, aber auch für die Kultur- und Kreativszene?

An Ideen mangelt es mal nicht

Markus Brixius: Die Zusammenarbeit mit der Arbeitskammer besteht aus einer einfachen Medienpartnerschaft in Verbindung mit dem Poprat Saarland. Im Prinzip keine große Sache, ich bin aber dennoch sehr froh, dass sie zustande gekommen ist. Denn die Arbeitskammer hat sich mit ihren jüngsten Projekten dem Thema Popkultur geöffnet und diese damit auch in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung auf eine Art gewürdigt.
Als Medium, das Popkultur seit über zehn Jahren im Namen trägt, freut uns das besonders.
Popkultur ist wie keine andere Branche in der Lage, Massen zu begeistern und ein Land und eine Region für junge Menschen attraktiv zu machen. Die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft ist überdies auch ein signifikanter Wirtschaftsfaktor, der übrigens auch andere Branchen befeuert, wie zum Beispiel den Reisemarkt, Hotellerie und Gastronomie, um nur einige zu nennen.

Popkultur ist in der Lage, eine Region für junge Menschen attraktiv zu machen.

Hier wünschen wir uns tatsächlich, dass mehr öffentliche Stellen dem Vorbild der Arbeitskammer folgen und mit uns zusammenarbeiten. Das bedeutet konkret: offene Türen, regelmäßiger Austausch über neue Projekte und nicht zuletzt Berücksichtigung bei der Medienplanung.
Ich sehe neben der Zusammenarbeit mit der Arbeitskammer aber auch Hoffnungsschimmer an anderer Stelle. Zum Beispiel, was sich in der Landeshauptstadt unter Uwe Conradt tut, und ich möchte mich an dieser Stelle auch einmal bei unserem OB bedanken, der bei seinem Krisenmanagement auch die private Kultur- und Veranstaltungswirtschaft nicht vergessen hat – zu der wir als Medium, das eben diese Inhalte vermittelt, auch gehören. Das wünsche ich mir als Ergänzung zu den Bemühungen zur Rettung der staatlich geförderten Kultur auch an weiteren Stellen im Land und übrigens auch im Bund. Außerdem möchte ich mich bei allen Anzeigenkunden bedanken, die uns nach ihren Möglichkeiten auch in der Krisenzeit unterstützt haben, auch wenn vielleicht auch nicht ganz klar war, ob überhaupt noch irgendwelche Konzerte stattfinden würden.
Übrigens engagieren wir uns auch an sehr vielen Stellen. Dafür wurden wir beispielsweise mit dem CSR-Preis, der das nachhaltige Wirken saarländischer Unternehmen würdigt, ausgezeichnet. Wir fühlen uns auch über die Regionalgrenzen hinaus dem gemeinsamen Handeln verpflichtet. Das beinhaltet auch eine jährliche Kulturförderung in nicht unerheblichem Maße.

Dock 11: Gibt es noch andere konkrete Vorhaben, auf die wir uns freuen dürfen?

Markus Brixius: Also an Ideen mangelt es mal nicht. Es wird davon abhängen, wie viel Munition wir haben, um diese umzusetzen. Ich würde gerne ein POPSCENE Future Camp organisieren und mit Menschen, die unsere Ideen unterstützen sprechen, wie wir gemeinsam die Zukunft dieses Mediums gestalten können.

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