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Raw Color | Christoph Brach im Interview

Raw Color | Christoph Brach im Interview
Foto: Henny van Belkom

Raw Color ist das kollaborativ geführte Studio der Designer Daniera ter Haar und Christoph Brach. Ihre Arbeit spiegelt einen sehr anspruchsvollen Umgang mit Material und Farbe wider, indem sie die Bereiche Fotografie, Grafikdesign und Produktdesign miteinander verbinden. Raw Color ist es über die Jahre gelungen, eine eigene Handschrift zu entwickeln, die ihren Arbeiten einen enormen Wiedererkennungswert verleiht. Im Zentrum jeder Arbeit stehen dabei das Spiel und Experimentierfreude mit Farbe. Dies ist das Herzstück des Studios.

Im Rahmen des Dock 11 Delegationsprogramms auf der Dutch Design Week  – einer neuntägigen Reihe an Ausstellungen, Workshops, Seminaren und Partys an unzähligen Orten der Stadt – wird uns der gebürtige Saarländer Christoph Brach eine ganz persönliche Führung über DAS Designevent der Niederlande geben.Wir baten Christoph zu einem Gespräch über seine Arbeit, darüber, was Eindhoven in der europäischen Designszene so einzigartig macht und darüber, was für ihn auf der Dutch Design Week am meisten zählt.

Dock 11:Hallo Christoph! Wir freuen uns schon darauf, mit dir die Dutch Design Week zu erkunden. Du lebst seit mehr als einem Jahrzehnt in Eindhoven. Was hat dich denn ursprünglich in die Designhauptstadt der Niederlande verschlagen?

Christoph Brach: Ich bin in Saarbrücken geboren und hatte nach meinem Schulabschluss an der HBK Saar Kommunikationsdesign studiert. Nebenher hatte ich in dem Bereich, während meines Studiums, auch einige  Projekte als Freelancer realisiert. Der Wunsch, mir die Designwelt außerhalb des Saarlandes anzuschauen, blieb mir  erhalten. Auch hatte ich den Drang, nicht den Rest meines Lebens Corporate Designs und Visitenkarten zu gestalten. In einer Zeitschrift meiner Bank las ich zufällig einen Artikel über die Design Academy in Eindhoven.

Umgebung mit experimenteller Mentalität

Dieser war illustriert mit Fotos des Gebäudes, der Studenten-Projekte und der damaligen Direktorin Li Edelkoort. Ich war beeindruckt, habe den Artikel mehrmals gelesen und wollte unbedingt mehr wissen. Es schien mir eine Umgebung zu sein, die mit entsprechenden Dozenten und einer experimentellen Mentalität aufwartet, in der ich mich gut weiterentwickeln könnte. Auch wollte ich die Möglichkeit erkunden, Produktdesigner zu werden und mehr Materialkenntnis zu bekommen. Ein paar Wochen später bin ich zum Tag der offenen Tür der Academy gefahren und habe mich nach meinem Vordiplom dort beworben.

konzentrierte Einzelarbeit und dynamisches Teamwork

Dock 11: Du arbeitest seit deinem Abschluss an der Design Academy in Eindhoven zusammen mit Daniera ter Haar in eurem Studio Raw Color. Arbeitet ihr stets zu zweit oder kommt projektabhängig auch mal noch Input von Außen in euer Wirken?

Christoph Brach:  Nach unserem Studium haben wir beide part time oder projektbezogen in anderen Studios gearbeitet, wie zum Beispiel bei der Produkt Designerin Hella Jongerius oder dem Trend Studio Stijlinstituut in Amsterdam. Das hat uns finanziellen Freiraum gegeben und wir hatten die Möglichkeit, von erfahrenen Designern zu lernen. Das Studio besteht ebenfalls aus einem flexiblen Team von Freelancern und Praktikanten. Wir glücklich darüber, dass wir genügend Projekte haben, an denen wir mit unseren talentierten Kollegen arbeiten können. Es ist ein Luxus, zwischen dynamischem Teamwork und konzentrierter Einzelarbeit zu wechseln.

In eigene Ideen investieren

Aus dieser Wechselwirkung entstehen, aus unserer Erfahrung, die besten Resultate. Wir unterrichten mittlerweile selbst seit einigen Jahren an der Design Academy und haben zwei junge Kinder. Deshalb sind wir also auch nicht jeden Tag im Studio. Das hält unseren Blick frisch. Ein Leben außerhalb des Studios finden wir daher auch wichtig und es relativiert vieles.

Dock 11: Wie arbeitet ihr als Studio? Könnt ihr großteils eure eigenen Ideen und Projekte realisieren oder seht ihr euch mehr als Auftragnehmer?

Raum für Experimente

Christoph Brach: Hauptsächlich arbeiten wir für Auftraggeber. Dies gilt für  etwa ¾ der Projekte. Früher haben wir vor allem an eigenen freien Aufträgen gearbeitet, wir hatten schlicht keine Auftraggeber. Heute arbeiten wir seltener, aber immer noch an Projekten, die wir selbst ins Leben gerufen haben. Wir finden es wichtig, auch weiterhin unsere eigenen Fragen zu formulieren, und diese nicht nur von unseren Kunden entgegenzunehmen. Oft entstehen dadurch Ansätze und Projekte in Gebieten, in denen wir so vorher noch nicht tätig waren. Dies wird durch potentielle Kunden erkannt. Daraufhin haben wir schon öfter Aufträge aus unerwarteter Richtung bekommen. Es bleibt also wichtig für uns, in unsere eigene Ideen zu investieren. Heute haben wir den Luxus, dass viele unserer Kunden mit super interessanten Fragen zu uns kommen, wobei es sich oftmals so anfühlt, als würden wir an eigenen Projekten arbeiten!

Die Design Academy ist der Katalysator Eindhovens

Dock 11: Eindhoven gilt als einer der absoluten Designhotspots der Welt. Was macht die Stadt so attraktiv für Kreative? Was können wir von der DDW erwarten, wenn Eindhoven sich von seiner kreativsten Seite zeigt?

Christoph Brach: Einer der Katalysatoren Eindhovens ist die Design Academy. Sie ist der Grund dafür, dass es viele motivierte Studenten aus der ganze Welt hierher zieht. Der Anteil internationaler Studenten ist momentan bei etwa 70 %. Die Stadt hatte schon länger einen internationalen Charakter durch Philips. Die Wiege des Konzerns liegt hier. Eindhoven hatte auch seine schwierigen Phasen. In den Neunzigern sind viele Philips Produktionsstätten in günstigere Schwellenländer abgewandert. Um die 2000er verlor die Stadt einen Großteil der Offices und Verwaltung, das hat zu viel Leerstand in der Stadt geführt.

Strukturwandel durch Kreativität und Technologie bewältigt

Eindhoven hat diesen Strukturwandel gut hinbekommen, indem die Verantwortlichen auf Kreativität und Technologie gesetzt haben. Die Stadt hat sich neu erfunden! Heute sind viele der ehemals leerstehenden Gebäude transformiert zu Brutplätzen der Kreativen. Es wimmelt von Studios und Start-ups. Da Eindhoven noch vergleichsweise günstige Immobilienpreise hat, verglichen mit anderen Kreativmetropolen, ist hier noch Platz für Experimente. Hier spielt auch die Dutch Design Week eine große Rolle, die dafür sorgt, dass die Stadt jedes Jahr von etwa 300.000 Besuchern überspült wird. Viele der Austellungsräume sind die Studios selbst, in denen die neusten Experimente präsentiert werden.

Dock 11: Was wird denn dein persönliches Highlight auf der DDW? Oder ist das im Vorfeld schwer zu sagen, weil  sich das Programm von der Vorjahresausgabe so stark unterscheidet?

Christoph Brach: Das ist wirklich schwer zu sagen, da man nie weiß, was man dieses Jahr entdecken wird. Es gibt allerdings ein paar feste Highlights. Dazu gehören natürlich die Graduation Show der Design Academy. Die Fabrik von Piet Hein Eek und die Ausstellung des dynamischen Design Kollektivs Dutch Invertuals. Bei letzterem sind wir selbst auch Teilnehmer und dieses Jahr wird das 10-jährige Jubiläum gefeiert unter dem Titel ‚The Circle‘.



Mehr zu Raw Color könnt ihr auch unter folgenden Links lesen:

Museumgoods

Metalmagazine

SFUdutchdesign