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Von Tiktok zur internationalen Tour: From Fall to Spring

Simon von der saarländischen NuMetal-Band »From Fall to Spring« erzählt uns in diesem Interview von den Anfängen der Band, ihrem Erfolgsrezept für TikTok, den Beweggründen hinter der Zusammenarbeit mit ihrem Plattenlabel und den strategischen Entscheidungen, die ihre Social-Media-Präsenz so erfolgreich gemacht haben.

Von Tiktok zur internationalen Tour: From Fall to Spring

Im Jahr 2020 erzielte die saarländische Band »From Fall to Spring« mit ihren selbst produzierten EPs einen bemerkenswerten Erfolg, als sie die Marke von einer Million Clicks auf den führenden Streaming-Plattformen knackte. Inzwischen hat die Band einen Vertrag bei »Arising Empire«, einem der bedeutendsten deutschen Labels für Rock- und Metal-Musik, unterzeichnet. Seitdem veröffentlichten sie fünf Singles zusammen mit begleitenden Musikvideos, die auf den Social-Media-Plattformen von »From Fall to Spring« enorme Aufmerksamkeit erregten. Mit über 100.000 TikTok-Follower:innen und mehr als 30.000 auf Instagram hat die Band eine treue und wachsende Fangemeinde um sich geschart. Wir sprachen mit Simon über ihren Erfolg in den Sozialen Netzwerken, ihre Erfahrungen mit Förderantragsstellungen und das richtige Plattenlabel. 


Dock 11: Lieber Simon, danke, dass du dir die Zeit nimmst, um unsere Fragen zu beantworten. Kannst du uns eure Band kurz vorstellen? Welche Musikrichtung verfolgt ihr und wie habt ihr euch gefunden?

Simon: Hallo Lara! Ich freue mich, dabei zu sein. Ich bin Simon, Keyboarder und DJ der saarländischen Rock-Band »From Fall to Spring«. Uns gibt es so richtig aktiv seit 2016. Das Kernprojekt ist damals als Schülerband einer Neunkircher Schule entstanden, aber so richtig gestartet haben wir erst viel später. Mit »From Fall to Spring« versuchen wir, einen modernen Approach für Rock und Metal Musik zu schaffen, indem wir moderne Rap/ Hip Hop Elemente mit Rock und Metal verschmelzen. Oft wird dies als NuMetal eingeordnet, wir versuchen uns aber nicht  nur auf diese eine Richtung zu beschränken und machen letztendlich die Musik, auf die wir auch Bock haben. So entstehen auch Metal-Core angehauchte Songs wie unser neuster Song »Cast Away«, aber auch mal ruhigere, Pop-Punk-mäßige Songs wie »Barriers«. Ich denke aber, der rote Faden in unserer Musik wird in erster Linie durch unsere Rap-Elemente gepaart mit härteren Rock/ Metal Elementen bestimmt.

Dock 11: Auf der Social Media Plattform TikTok habt ihr bereits über 100.000 Follower:innen. Die App ist in Deutschland noch vergleichsweise neu. Wie hat eure Band es geschafft, so erfolgreich auf TikTok zu sein und eine solide Fangemeinde aufzubauen?

Wir haben dann wirklich kurzfristig alles umgeplant, neue sehr frequente Release-Zyklen mit einzelnen Singles geschaffen und viel Zeit und Arbeit in Social Media gesteckt.

Simon: 2019 waren wir eigentlich auf dem klassischen Weg – die ersten überregionalen Shows standen an, die erste Support Tour mit der amerikanischen Band »Fight The Fade« stand an – und dann kam Corona. Wir haben dann wirklich kurzfristig alles umgeplant, neue sehr frequente Release-Zyklen mit einzelnen Singles geschaffen und viel Zeit und Arbeit in Social Media gesteckt. Dabei haben wir immer viel rumprobiert und einfach geschaut, was gut funktioniert. Begonnen haben wir mit YouTube-Streams mit coolen Gästen und primär Instagram-Content, haben dann aber sehr schnell das Potential von TikTok entdeckt, als erste Videos viral gingen. So haben wir dann in erster Linie die Plattform TikTok mit kurzen Musikvideo-Ausschnitten, kurzen Cover-Songs oder Handyvideos von Live-Konzerten bedient, während wir intensiv Live-Streams betrieben. Insbesondere während unserer Zeit als Voting-Kandidat beim Eurovision Song Contest 2023 waren wir fast jeden Tag Live – und das hat uns, unsere TikTok-Plattform und unsere Community extrem vorangebracht. Mittlerweile kombinieren wir Bandproben und Reisevorbereitungen mit Live-Streams, indem wir einfach ein Online-Konzert als Probe spielen.

Von Tiktok zur internationalen Tour: From Fall to Spring 1
Fotocredits: Niclas Breves

Dock 11: Welche Ratschläge würdet ihr anderen Bands geben, die überlegen, TikTok und andere Social Media Kanäle als Marketing-Werkzeug zu nutzen? Welche Strategien oder Inhalte haben sich als besonders wirksam erwiesen?

Simon: Ich denke, das Stichwort hier lautet: Frequenz. Insbesondere TikTok Postings benötigen neben dem notwendigen Inhalt auch eine gute Portion Glück, und letzteres lässt sich eben gut durch Frequenz erhöhen. Die meisten viralen Posts lösen eine Emotion bei den Zuschauer:innen aus, sei es Wut über etwas, Staunen über etwas Unvorhergesehenes. Hier lohnt es sich mit Sicherheit, mal die viralen Postings in der Musik-Bubble, insbesondere von kleineren Künstler:innen zu analysieren. Nicht, dass man das einfach kopieren soll, aber ich denke, hier bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie man Leute anspricht und daraus kann man dann eigene Strategien entwickeln.

Ich denke, das Stichwort hier lautet: Frequenz.

Dock 11: Inwiefern hat sich eure Aktivität auf Social Media auch auf den finanziellen Erfolg eurer Band ausgewirkt? 

Simon: Insbesondere die viralen Posts haben einen wirklich merkbaren Sprung auf Spotify ermöglicht, noch heute sieht man den Ansprung der Hörer:innen zu den einzelnen Postings. Viele der neu gewonnenen Fans kamen auch zu den Touren in 2022 und 2023, wir haben da in Gesprächen mit den Fans oft Sätze wie “Ich hab euch über TikTok entdeckt” gehört. So bildet die Aktivität auf Social Media bei uns eine der Säulen des Banderfolgs, auf denen wir gut aufbauen konnten und weiterhin aufbauen.

Dock 11: Wie seid ihr mit eurem Plattenlabel in Kontakt gekommen und was hat euch dazu bewogen, mit ihnen zusammenzuarbeiten? Gab es bestimmte Kriterien, die ihr bei der Auswahl eines Plattenlabels berücksichtigt habt?

Ein Label gilt hier durchaus als eine Art »Gütesiegel«.

Simon: Während der eben erwähnten Single-Release-Phase kamen ja auch erste Erfolge bei den Streaming-Diensten wie Spotify, aber auch die Musikvideos bei Youtube gewannen an Popularität. Ich denke, das sind nach wie vor gute Kennzahlen, auf die ein Plattenlabel achtet. Für uns war immer klar, dass wir den Schritt über ein Plattenlabel gehen möchten, da dies die Türen öffnet für weitere wichtige Partnerschaften in der Musikindustrie. Ein Label gilt hier durchaus als eine Art »Gütesiegel«. Nicht zuletzt nimmt ein Label natürlich viel Arbeit ab im Hinblick auf Produktion und Vertrieb. Deshalb haben wir uns nach den ersten Erfolgen einfach mal beworben – unsere Wahl fiel hier auf »Arising Empire«, da es sich hier um ein deutsches Label handelt, und in der Szene, in der wir uns bewegen, einen der Marktführer darstellt. Unsere Bewerbung fand Anklang und seitdem steht die Zusammenarbeit. Unser erstes Album »RISE« kam 2023 über »Arising Empire«. Grundsätzlich achten wir bei der Wahl unserer Partner:innen vor allem auf die persönliche Ebene. Hier soll es in erster Linie nicht um Geld gehen, sondern darum, gemeinsam zu wachsen. Dieses Potential haben wir bei unserem Label gesehen.

Dock 11: Ihr habt den etwas ungewöhnlichen Weg gewählt, die GEMA-Rechte eurer Band über eine einzelne Person laufen zu lassen. Willst du das Vorgehen und eure Beweggründe dahinter kurz erläutern?

Simon: Wir sehen unsere Band als ein Team, in dem mehrere Personen in unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten, und der Erfolg der Musik lässt sich nicht nur auf gutes Songwriting beschränken, sondern bspw. auch auf Management und Marketing. Deshalb fließen alle Gema-Einnahmen, ähnlich wie bei einem Verlag, direkt in die Band – weil die Band selbst davon natürlich wieder profitiert. Wir haben eine Person als Urheber für alle Songs eingetragen, die dann stellvertretend die Tantieme empfängt und direkt in die Band gibt. Natürlich werden aber externe Partner, die an den Songs beteiligt waren, entsprechend den vorher getroffenen Vereinbarungen beteiligt. Wir haben hier auch entsprechende Regelungen getroffen, die bei einem Ausstieg eines Mitgliedes oder der Band-Auflösung greifen, damit nicht eine Person dann weiterhin Geld mit der Musik verdient.

Dock 11: Auf dem Event »Start Up Music«, veranstaltet von der Arbeit & Kultur gGmbH, hast du erzählt, dass ihr bereits drei Förderungen der »Initiative Musik« bekommen habt. Wie habt ihr von den verschiedenen Förderungen profitieren können? Was habt ihr durch die Förderungen realisiert, was ohne gar nicht möglich gewesen wäre? 

(…) – das wäre ohne die Förderung in der Qualität nicht möglich gewesen.

Simon: Mit der ersten Förderung konnten wir eine professionelle Grundlage für die Produktion unseres Albums »RISE« schaffen. So konnten wir visuell mit hochwertigen Videos nochmal an Qualität zulegen, hatten aber auch Budget, um entsprechende Ad-Kampagnen bei Youtube und Meta zu schalten – das wäre ohne die Förderung in der Qualität nicht möglich gewesen. Mit der zweiten Förderung konnten wir dann unsere erste Tour ermöglichen, auch mit internationalen Tourstops in der Schweiz und Österreich – hier wurden wieder Marketing, aber auch Tour-Kosten für Personal/ Technik, Übernachtungen, Mieten und Sprit finanziert. Die dritte und letzte Förderung war wieder für audiovisuelles Material gedacht, so konnten wir zwei wirklich hochwertige Videos, die auf internationalen Standard mithalten können, drehen und mithilfe eines neuen Produzenten die Qualität der Audioproduktion nochmals anheben.

Dock 11: Zu guter Letzt: Gebt uns doch gerne noch einen Ausblick auf zukünftige Projekte und Veröffentlichungen, auf die sich eure Fans freuen können.

Simon: Wir arbeiten aktuell intensiv an neuen Songs und dem neuen Album, die erste Single »Cast Away« kam bereits am 17. Februar raus, die nächste Single ist auch schon in den Startlöchern und kommt voraussichtlich im Mai. Wir fiebern auch auf unsere Tour im April hin. Zwar gibt es keinen Stopp im Saarland, aber dafür am 19. April in Trier gleich ums Eck.
Vielleicht sieht man sich ja bei einer der Shows. Wir sind immer offen für Gespräche, sprecht uns gerne auf einem unserer Konzerte an!

Dock 11: Lieben Dank Simon, dass du dir Zeit genommen hast unsere Fragen über eure Band zu beantworten!

Mehr über die Band und Tickets für die Tourdates von From Fall to Spring findet ihr auf der offiziellen Website.

Weitere Infos rund um die Kultur-und Kreativwirtschaft findet ihr in unserem Magazin.